Ethik
Imam sagt im Dresdner Prozess um Moschee-Attentat aus
Dresden (epd). Im Prozess um ein Anschlag auf eine Dresdner Moschee im September 2016 hat am Dienstag der damalige Imam des muslimischen Gotteshauses, Hamza Turan, ausgesagt. Vor dem Landgericht schilderte der 47-Jährige Einzelheiten der Tatnacht am 26. September 2016. Er habe um 21.30 Uhr zum Gebet aufgerufen und danach in seinem Büro auf einen Freund gewartet, als er einen lauten Knall hörte, sagte Turan. Aus dem Fenster habe er Flammen gesehen "so hoch wie die Häuser". Ihm sei "ganz schlecht und schwarz vor Augen geworden". Die Eingangstür sei aus den Angeln gerissen worden, die Flammen hätten sich im Gebäude ausgebreitet. "Ich wusste nicht, was ich tun soll", berichtete der Imam.

Die Nachbarn, er und seine Frau hätten dann vergebens versucht, das Feuer zu löschen. Nach 30 Minuten sei die Feuerwehr gekommen. In der Moschee sei sein Büro nur wenige Meter von seiner Wohnung entfernt gewesen, in der sich zur Tatzeit seine Ehefrau und seine beiden damals elf und sieben Jahre alten Kinder aufhielten.

"Mein Sohn kam zu mir gerannt und schrie: 'Die wollen uns ermorden'", sagte der Imam, der im Dezember 2015 nach Deutschland kam. Turan war für fünf Jahre als Imam nach Dresden entsandt. "Warum tut man so was?", fragte er bei seiner Aussage. "Wir haben den Menschen gar nichts getan." Sein Sohn habe sogar "den Täter rumschleichen sehen".

Angeklagt vor dem Dresdner Landgericht ist Nino K., der bei der fremdenfeindlichen "Pegida"-Bewegung als Redner aufgetreten war. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem versuchten Mord vor. Er soll Einzeltäter gewesen sein. K. sitzt seit Dezember 2016 in Untersuchungshaft. Er hatte vor Gericht ein Geständnis abgelegt.

Nach dem Anschlag habe er einen Brief mit einer Morddrohung erhalten, berichtete Turan weiter. Außerdem sei die Moschee beschmiert worden. Auch zuvor habe es Anfeindungen gegen seine Familie gegeben. Seine Frau sei auf der Straße beschimpft worden. Die Familie, die unter den psychischen Folgen des Anschlags leidet, ist inzwischen aus Dresden weggezogen und hält sich an einem unbekannten Ort auf. Seine Frau und sein Sohn sind dem Imam zufolge regelmäßig in Therapie.

Am Nachmittag sollte die Ehefrau des Imam vor Gericht aussagen. Die beiden minderjährigen Kinder will der Vorsitzende Richter Herbert Pröls wegen der psychischen Belastung möglichst nicht vernehmen.

Der Angeklagte Nino K. hatte zu Prozessbeginn ein Geständnis abgelegt. Der 31-Jährige räumte ein, im September 2016 eine Sprengvorrichtung vor der Fatih Camii-Moschee des türkischen Islam-Verbands Ditib in Dresden-Cotta abgestellt zu haben.

Zudem bekannte er sich zu dem Anschlag auf das Dresdner Kongresszentrum. Die fremdenfeindlichen Angriffe wenige Tage vor den zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden hatten bundesweit Entsetzen ausgelöst. Für den Prozess sind bis April mehrere Verhandlungstermine angesetzt.

epd ost kr mg