Kirche
Gericht: Hedwigs-Kathedrale darf umgebaut werden
Künstler wollen weiter wegen Urheberrechtsverletzung klagen
Berlin (epd). Der geplante Umbau der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale hat am Mittwoch eine entscheidende Hürde genommen. Das Verwaltungsgericht Berlin wies zwei Klagen ab, die eine Aufhebung der denkmalschutzrechtlichen Genehmigung forderten. Geklagt hatten ein Künstler sowie vier Rechtsnachfolger von Künstlern, die am Ausbau der Hedwigs-Kathedrale nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt waren. (VG 19 K 334.18, VG 19 K 319.18)

Zur Begründung verwies Richter Markus Rau nach mehr als einstündiger mündlicher Verhandlung auf die fehlende Klagebefugnis der Kläger. Dabei verwies er unter anderem auf das Denkmalschutzgesetz, das die Interessen des Staates schütze, aber nicht das individuelle Interesse von Künstlern. Den Klägern stehe aber der Weg über eine Zivilklage wegen möglicher Urheberrechtsverletzungen offen. Beim Berliner Landgericht ist eine entsprechende Klage schon anhängig, hieß es.

Der 1773 fertiggestellte Kuppelbau war 1943 durch eine Fliegerbombe weitgehend zerstört und ab 1952 wieder aufgebaut worden. Die moderne Innenraumgestaltung stammt von dem Architekten Hans Schwippert (1899-1973) und wurde 1963 abgeschlossen. Die Kritik der Kläger richtet sich vor allem gegen die geplante Schließung der zentralen, rund acht Meter breiten Bodenöffnung mit Treppe in die Unterkirche.

Nach Umgestaltung und Renovierung der Kirche soll der Altar weiter ins Zentrum der Rundkirche rücken und die Sitzbänke darum herum angeordnet werden. Bislang sitzt die Gemeinde rechts und links der Treppe in die Unterkirche und blickt seitlich auf Altar und Priester. Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hatte gegen Bedenken des Landesdenkmalamtes die Umbaupläne mit Verweis auf die liturgischen Belange der Gemeinde letztlich genehmigt.

Rechtsanwalt Lothar Poll, der einen Neffen von Schwippert vertritt, kündigte bereits in der Verhandlung an, gegen das Urteil des Verwaltungsgerichtes Berufung einlegen zu wollen. Die Kläger hatten eine Aufhebung der denkmalrechtlichen Genehmigung des Umbaus durch den Bezirk Mitte beantragt. Poll kritisierte in der Verhandlung einen fehlenden Dialog zwischen Erzbistum und Künstlern vor der Entscheidung zum Umbau.

Die Kläger befürchten zudem, dass das Erzbistum den Umbau der Kathedrale als "Totalzerstörung" des bisherigen Denkmals definieren könnte. Dann würde es auch im Rahmen einer Zivilklage wegen Verstoßes gegen Urheberrechte keinen Rechtsschutz für die betroffenen Künstler geben.

Zu den Klägern gehörten neben dem Goldschmied Hubertus Förster, der unter anderem einen Tabernakelschrein und das Altarkreuz fertigte, und dem Alleinerben Schwipperts auch die Nachfahren eines weiteren Goldschmiedes, eines Kunstschmiedes und Bildhauers sowie einer Textilgestalterin.

Richter Rau verwies darauf, dass die Grundrechte der Kunstfreiheit und der Eigentumsgarantie nicht zu einem Klagerecht gegen eine denkmalrechtliche Genehmigung berechtige. Zudem gebe es das grundgesetzlich geschützte Selbstbestimmungsrecht der Kirchen sowie eine entsprechende Norm beim Denkmalschutz.

Renovierung und Umbau der Hedwigs-Kathedrale sollen rund 60 Millionen Euro kosten und zu je einem Drittel vom Erzbistum, den anderen deutschen Bistümern sowie von Bund und Land finanziert werden. Berlins wohl bekannteste katholische Kirche ist seit dem vergangenen September für voraussichtlich fünf Jahre geschlossen. Gegen den Umbau hatten in der Vergangenheit auch Gemeindemitglieder protestiert.

Im Zuge des Umbaus sollen auch Fenster ersetzt und Dekorationselemente entfernt werden. In der Unterkirche befinden sich unter anderem die Grabkapellen der Berliner Bischöfe und des nach Nazihaft gestorbenen Dompropstes Bernhard Lichtenberg (1875-1943).

epd ost phi mg