Soziales
Geldleistungen für 5.722 ehemalige Heimkinder in Berlin
Staatssekretärin: Ende der Fonds bedeutet nicht Ende der Aufarbeitung
Berlin (epd). Insgesamt 5.722 ehemalige Heimkinder haben in Berlin Leistungen aus einem der beiden Fonds Heimerziehung erhalten. 1.356 Betroffene bekamen Gelder aus dem Fonds Heimerziehung (West) und 4.366 aus dem Fonds DDR-Heimerziehung, sagte die Berliner Staatssekretärin für Jugend und Familie, Sigrid Klebba (SPD), am Mittwoch in der Bundeshauptstadt. Insgesamt summierten sich die Leistungen aus beiden Fonds an Berliner Betroffene auf 72 Millionen Euro. Die Laufzeit der 2012 eingerichteten beiden Fonds endete zum Jahresende 2018.

An Betroffene aus westlichen Heimen wurden laut Klebba insgesamt rund 17 Millionen Euro ausgezahlt, darunter rund 13 Millionen Euro für materielle Hilfen und rund vier Millionen Euro für Rentenersatzleistungen. Im Schnitt bekamen die Antragsteller pro Person 9.800 Euro für materielle Hilfen und 7.000 Euro für Rentenersatzleistungen ausgezahlt.

An frühere Insassen von DDR-Kinderheimen und Jugendwerkhöfen aus Berlin wurden insgesamt 55 Millionen Euro ausgezahlt. Davon entfielen 43 Millionen Euro auf materielle Hilfen und zwölf Millionen Euro auf Rentenersatzleistungen. Durchschnittlich bekamen die Betroffenen 9.900 Euro für materielle Hilfen und 5.300 Euro für Rentenersatzleistungen.

Die Geld- und Sachleistungen könnten das Unrecht und Leid nicht ungeschehen machen, das ehemaligen Heimkindern zugefügt wurde, betonte Klebba: "Die Zuwendungen aus den Fonds können allenfalls zur Verbesserung ihrer heutigen Lebenssituation beitragen." Viele Betroffene hätten in den Heimen eine entwürdigende und entmündigende Zeit erlebt. Das Ende der Fonds bedeute deshalb auch nicht das Ende der Auseinandersetzung mit der Geschichte der Heimerziehung, fügte sie hinzu.

Die eigens für die Fonds eingerichtete Berliner Anlauf- und Beratungsstelle ehemaliger Heimkinder (ABeH) wird durch ein Nachfolgeprojekt abgelöst, sagte deren Leiterin Petra Schwarzer. Das neue Angebot biete unter dem Namen "Treffpunkt, Beratungs- und Dokumentationsstelle für Menschen mit Heimerfahrung" ehemaligen Heimkindern aus West und Ost weiterhin Trauma- und Sozialberatung sowie Hilfe bei der Suche nach Angehörigen. Zum Angebot gehören auch ein Café, eine Mediathek und Gesundheitskurse. Für dieses Jahr stehen dafür 200.000 Euro zur Verfügung.

Die beiden Fonds Heimerziehung in der Bundesrepublik 1949 bis 1975 und Heimerziehung in der DDR in den Jahren 1949 bis 1990 wurden 2012 in Folge des Runden Tisches Heimerziehung vom Bund und den Bundesländern eingerichtet. An dem West-Fonds beteiligten sich zudem die Kirchen. Insgesamt standen in dem Fonds West 302 Millionen und dem Fonds Ost 343 Millionen Euro zur Verfügung.

Eine Berliner Besonderheit war die Verwaltung der Fonds durch einen freien unabhängigen Träger mit einem 19-köpfigen Fachbeirat, dem auch sechs Betroffene angehörten. Zudem gab es nur in Berlin für Betroffene aus West und Ost eine gemeinsame Anlaufstelle.

epd ost mg bue