Ethik
Frauenrechtler kritisieren Anker-Zentren für weibliche Flüchtlinge
Berlin (epd). Die Menschenrechtsorganisation "Terre des Femmes" hat vor der Unterbringung von Mädchen und Frauen in den von der Bundesregierung geplanten Anker-Zentren gewarnt. Diese seien als besonders verletzliche Personen dort großen Gefahren ausgeliefert, erklärte die Frauenrechtsorganisation am Mittwoch in Berlin. Für geflüchtete Frauen und Mädchen, die meist Traumatisches erlebt hätten, sei eine mehrmonatige Unterbringung in solchen Zentren eine erneute Gefahr für Leib und Seele.

Erste Berichte aus Manching (Landkreis Pfaffenhofen), in dem ein Anker-Zentrum als Vorbild für andere geplant ist, würden katastrophale Zustände für Frauen und Mädchen aufweisen. Weder Hebammen, noch Familienberater oder ehrenamtliche Rechtsberater würden Zugang erhalten. "Dabei ist rechtliche Beratung und psychologische Unterstützung besonders für Frauen, die wegen geschlechtsspezifischer Verfolgung wie Zwangsehen, weiblicher Genitalverstümmelung, Gewalt im Namen der Ehre oder LGBT-Angehörigkeit fliehen mussten, sehr wichtig", erklärte "Terre des Femmes". Zudem würden gerade Mädchen und Frauen auf der Flucht mitunter Opfer von sexualisierter Gewalt und benötigen psychosoziale Unterstützung.

Nach meist monatelanger Flucht und Aufenthalten in verschiedenen Asylunterkünften benötigen Frauen und Mädchen eine sichere Bleibe, in der sie sich frei bewegen, essen und kochen können, hieß es weiter. Massenunterkünfte würden stattdessen Integration verhindern und weiblichen Geflüchteten das Gefühl vermitteln, eingesperrt zu sein. "Sie sind weit davon entfernt, gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei leben zu können", kritisierte die Frauenrechtsorganisation.

In den von der Bundesregierung geplanten Anker-Zentren soll künftig das komplette Asylverfahren abgewickelt werden. "Anker" ist die Kurzform für "Ankunft, Entscheidung, kommunale Verteilung bzw. Rückführung". Nach den Plänen des Bundesinnenministeriums sollen im Spätsommer bis Herbst bis zu sechs Pilot-Zentren eröffnet werden. Geplant ist die Unterbringung von bis zu 1.500 Personen je Zentrum. Erwachsene alleinstehende Asylbewerber sollen bis zu 18, Familien bis zu sechs Monate in den Zentren bleiben, um sicherzustellen, dass beim Verlassen ihr Asylverfahren beendet ist.

epd ost cxm bue