Ethik
Dresdner Gedenktag mit Gästen aus Coventry und Breslau
Menschenkette setzt Zeichen für Frieden, Demokratie und Versöhnung
Dresden (epd). Mit zahlreichen Veranstaltungen erinnert Dresden am 13. Februar an die Zerstörung der Stadt vor 74 Jahren. Der Gedenktag für die Opfer des Zweiten Weltkrieges am kommenden Mittwoch steht in diesem Jahr im Zeichen der 60-jährigen Städtepartnerschaft mit Coventry (Großbritannien) und Breslau (Polen). Delegationen aus beiden europäischen Städten werden erwartet. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) betonte am Freitag, dass das gemeinsame Gedenken gerade in Zeiten des Brexit ein wichtiges Zeichen sei, das von Dresden ausgesendet werde.

Höhepunkt des 13. Februar soll am Abend eine Menschenkette sein, die wieder symbolisch rund um die Dresdner Altstadt geschlossen wird. Sie steht in diesem Jahr unter dem Motto "Geteilte Geschichte - gemeinsame Zukunft". Die vorgesehene etwa vier Kilometer lange Strecke führt über alle zentralen Plätze der Innenstadt, darunter den Altmarkt und den Neumarkt, sowie über zwei Elbbrücken. Im vergangenen Jahr beteiligten sich rund 11.500 Menschen an der Aktion, die 2010 zum ersten Mal stattfand.

Ebenso viele Teilnehmer werden auch in diesem Jahr wieder erwartet. Die Menschenkette sei ein wichtiges und gutes Zeichen, sagte der Dresdner Superintendent Albrecht Nollau. "Die Zivilgesellschaft wird körperlich sichtbar", betonte er. Am 13. Februar 1945 wurde Dresden bei Luftangriffen der Alliierten schwer zerstört. Bis zu 25.000 Menschen kamen ums Leben.

Geplant sind rund um den Gedenktag zahlreiche Veranstaltungen des Erinnerns und Mahnens sowie ein mobiler Bildungs- und Diskussionsort in einem Bus, der an verschiedenen Orten der Stadt Station macht. Zu einem sogenannten dezentralen Gedenken wird auf verschiedene Dresdner Friedhöfe eingeladen. Vor der Frauenkirche sind Besucher eingeladen, Kerzen abzustellen. Am Abend laden die Kirchen zu einem ökumenischen Gottesdienst in die Kreuzkirche ein.

Aus dem englischen Coventry werden zum Dresdner Gedenktag unter anderem Oberbürgermeister John Blundell und der Bischof von Coventry, Christopher Cocksworth, erwartet. Aus Breslau reisen unter anderem Stadtpräsident Jacek Sutryk und der Bischof der Diözese Breslau, Waldemar Pytel, an. Beide Gastbischöfe werden am abendlichen ökumenischen Gottesdienst teilnehmen, hieß es.

Zuvor wollen sie sich zusammen mit den Delegationen aus Dresdens Partnerstädten in die Menschenkette einreihen. Die Partnerschaft mit Coventry wurde am 13. Februar 1959 und die mit Breslau am 7. Mai 1959 besiegelt.

Auch in diesem Jahr wollen Neonazis den Gedenktag für ihre Zwecke missbrauchen. Rechtsextreme haben für den 15. Februar nach Angaben des Ordnungsamtes einen "Gedenkmarsch zu Ehren der Dresdner Luftkriegstoten" mit 500 Teilnehmern in der Dresdner Altstadt angemeldet. Das Bündnis "Nazifrei" kündigte für denselben Tag Proteste an. Dazu sind rund 1.000 Teilnehmer bei der Versammlungsbehörde angezeigt.

Rund um den 13. Februar sind laut Ordnungsamt insgesamt mehr als 30 Versammlungen angemeldet, allein acht am Gedenktag. Die AfD will sich am 13. Februar in der Altstadt versammeln. Die asylkritische "Pegida"-Bewegung plant den Angaben zufolge am 11. Februar eine Demonstration unter dem Motto "Gegen Glaubenskriege für Frieden".

Am 12. Februar übergibt Bischof Cocksworth in Dresden ein Nagelkreuz der Kathedrale Coventry an die Gedenkstätte Sophienkirche-Busmannkapelle. Das Kreuz aus drei Zimmermannsnägeln der zerstörten Kathedrale ist das christliche Symbol für die Idee der Versöhnung der Nationen nach dem Zweiten Weltkrieg. Von Coventry aus hatte die weltweite Versöhnungsarbeit der Nagelkreuzgemeinschaft begonnen.

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