Ethik
CDU-Politiker Jörg Schönbohm gestorben
Brandenburg und Berlin würdigen früheren Landespolitiker
Potsdam (epd). Der frühere Berliner Innensenator und langjährige brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Vertreter aus Politik und Kirche würdigten die Verdienste des ehemaligen Bundeswehrgenerals und Politikers. Schönbohm war nach Angaben der CDU Brandenburg in der Nacht zu Freitag gestorben.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) würdigte in Berlin Schönbohms "entscheidenden Beitrag zur inneren Einheit Deutschlands". Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) nannte den gebürtigen Märker, der in Westdeutschland aufwuchs, einen Politiker "mit starkem Willen und Standhaftigkeit". Der Berliner Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) erklärte, Schönbohm sei ein "werteorientierter Demokrat reinsten Wassers" und ein wichtiger Repräsentant konservativer Politik in Deutschland gewesen.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, würdigte den ehemaligen Generalleutnant als engagierten evangelischen Christen. Schönbohm habe sich immer für eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Kirche eingesetzt. "Sein Beitrag zur Wiedervereinigung unseres Landes ist bemerkenswert", erklärte Dröge. Dabei erinnerte er auch an Schönbohms Engagement für das Projekt Garnisonkirche Potsdam als stellvertretender Vorsitzender im Kuratorium der Stiftung.

Die Berliner CDU-Landesvorsitzende Monika Grütters nannte den Tod Schönbohms einen großen Verlust für die CDU. "Man merkte immer im positiven Sinne, dass dort ein 'Quereinsteiger und Überzeugungstäter' Politik gestaltete", erklärte die Kulturstaatsministerin. Dabei sei er immer liebenswürdig, humorvoll und nahbar geblieben, so Grütters.

In einem Kondolenzbrief an die Witwe Schönbohms betonte Schäuble, ihr Mann habe sich zeitlebens als Diener des Staates verstanden. Nach der Wiedervereinigung sei ihm die Integration der verbliebenen Soldaten der NVA in die Bundeswehr gelungen. Das Zusammenwachsen von Ost und West habe ihm später auch in seinen politischen Ämtern in Berlin und Brandenburg besonders am Herzen gelegen. Wort und Wirken seien von preußischem Pflichtbewusstsein, seiner klaren Haltung und seinen unerschütterlichen Wertevorstellungen geprägt gewesen - "als Protestant und als Patriot, als Konservativer im besten Sinne", schrieb Schäuble.

Woidke betonte, Schönbohm habe als damaliger Befehlshaber des Bundeswehrkommandos Ost mit Sensibilität, Sachkenntnis und Sicht auf militärische Notwendigkeiten die westdeutsche Bundeswehr und die ostdeutsche Nationale Volksarmee zusammengeführt. Zehn Jahre lang habe er dann von 1999 bis 2009 als Brandenburger Innenminister verlässliche Regierungspolitik verantwortet. Zuvor war Schönbohm von 1996 bis 1998 Innensenator von Berlin. Von 1998 bis 2007 hatte er den Landesvorsitz der CDU in Brandenburg inne.

Die Potsdamer Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD) erklärte, Schönbohm habe "mit seiner geradlinigen und leidenschaftlichen Art die Brandenburger Politik entscheidend mitgeprägt". Brandenburgs CDU-Landeschef Ingo Senftleben betonte, Schönbohms Verdienste als Bundeswehrgeneral um die deutsche Einheit und als Politiker um das Land Brandenburg machten "ihn als einen der großen Deutschen der Nachkriegsgeschichte unvergessen". Jörg Schönbohm wurde am 2. September 1937 in Neu-Golm bei Bad Saarow geboren und starb nach Angaben der CDU Brandenburg in der Nacht zu Freitag.

epd ost yj phi