Ethik
Brandenburg will Sorben-Beauftragte für die Lausitz einführen
Potsdam (epd). Brandenburg soll hauptamtliche Sorbenbeauftragte in den drei Landkreisen bekommen, die zum angestammten Siedlungsgebiet der slawischen Minderheit in der Mark gehören. Dafür sollen entsprechende Vollzeitstellen geschaffen werden, heißt es im Entwurf zur Änderung des Sorben-Wenden-Gesetzes, der am Mittwoch Thema im Landtag in Potsdam war. Die Verpflichtung soll für die Kreise Spree-Neiße, Dahme-Spreewald, Oberspreewald-Lausitz und die kreisfreie Stadt Cottbus gelten. Die Kosten soll das Land tragen.

Der Gesetzentwurf sei ein wichtiger Schritt zur Unterstützung der Minderheit, sagte der Vorsitzende des Sorbenrates im Landtag, Torsten Mak. Die Beauftragten sorgten mit dafür, dass die sorbisch-wendische Kultur lebendig bleibe, sagte Kulturministerin Martina Münch (SPD). Mit dem Gesetz werde die kommunale Basis für die Angelegenheiten der Minderheit gestärkt.

Im Landkreis Spree-Neiße gebe es bisher nur eine in Teilzeit arbeitende hauptamtliche Sorbenbeauftragte, hieß es. Die Minderheitenbeauftragten in den Kreisen Dahme-Spreewald und Oberspreewald-Lausitz arbeiten bislang ehrenamtlich. Cottbus hat bereits eine hauptamtliche Beauftragte für sorbisch-wendische Angelegenheiten. Sorbenbeauftragte des Landes ist Kulturstaatssekretärin Ulrike Gutheil (parteilos).

In der Kommunalverfassung soll dem Gesetzentwurf zufolge zudem festgeschrieben werden, dass Landkreise im sorbischen Siedlungsgebiet zweisprachige Namen in deutscher und niedersorbischer Sprache tragen dürfen, wenn die Kreistage dies mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit beschließen. Bisher sei dies nur für Gemeinden festgelegt, hieß es. Der Gesetzentwurf wurde zunächst in den Hauptausschuss des Parlaments überwiesen.

Aktuelle, wissenschaftlich belastbare Angaben über die Sprachsituation des Niedersorbischen gebe es nicht, heißt es im ersten Sorbenbericht der Landesregierung, der am 1. Februar im Landtag vorgestellt wurde. Schätzungen gehen von einigen tausend Menschen aus, die Sorbisch gut sprechen und verstehen. Hinzu kommt eine unbestimmte, größere Anzahl von Menschen, die die Sprache teilweise oder zumindest rudimentär beherrschen und anwenden.

Ein geschlossenes niedersorbisches Sprachgebiet gebe es heute nicht mehr, heißt es in dem Bericht weiter. Die Minderheitensprache sei im Alltag "einem massiven Assimilationsdruck seitens der sie umgebenden Mehrheitssprache Deutsch ausgesetzt". Die Unesco zähle Niedersorbisch daher zu den am stärksten bedrohten europäischen Sprachen.

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