Kultur
69. Berlinale eröffnet
Berlin (epd). Mit "The Kindness of Strangers" der dänischen Regisseurin Lone Scherfig ist am Donnerstagabend in Berlin die 69. Berlinale eröffnet worden. In dem Film erzählt Scherfig ("Italienisch für Anfänger") von einer obdachlosen Familie in New York. Insgesamt werden auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin bis 17. Februar 400 Filme aus 74 Ländern gezeigt, von denen 23 im Wettbewerb laufen.

17 Filme konkurrieren um den Goldenen und die Silbernen Bären, die am 16. Februar verliehen werden, sechs Produktionen laufen außer Konkurrenz. Sieben Wettbewerbsfilme wurden von Frauen gedreht. Aus Deutschland gehen drei Produktionen ins Bären-Rennen darunter von Fatih Akin "Der Goldene Handschuh" über den Hamburger Serienmörder Fritz Honka nach einem Roman von Heinz Strunk.

Das Motto der Berlinale ist in diesem Jahr der 68er-Spruch "Das Private ist politisch". Themen im Wettbewerb sind etwa Kindheit und Familie, Gendergerechtigkeit, Kirche und Patriarchat sowie die politische Lage in Brasilien.

Die Berlinale lasse auch in diesem Jahr die Welt einmal mehr über sprachliche, kulturelle und weltanschauliche Grenzen hinweg ein Stück zusammenrücken, erklärte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Die Bären seien deshalb auch eine Anerkennung für Künstlerinnen und Künstler, die der Macht der herrschenden Verhältnisse die Kraft der Fantasie entgegensetzen und die den Ehrgeiz haben, nicht Öl, sondern Sand im politischen und gesellschaftlichen Getriebe zu sein.

Die Internationale Jury leitet in diesem Jahr die französische Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Juliette Binoche ("Der englische Patient"). Ihr zur Seite stehen unter anderem die deutsche Schauspielerin Sandra Hüller und der US-Filmkritiker der "Los Angeles Times", Justin Chang.

Es ist die letzte Ausgabe der Berlinale unter dem langjährigen Direktor Dieter Kosslick, der das Festival seit 2001 leitete. Kosslick habe ganz besonders einer Filmkunst, die sich einmischt, 18 Jahre lang den roten Teppich ausgerollt, sagte Grütters. Künftig werden die Internationalen Filmfestspiele von einer Doppelspitze geführt. Das sind neben dem Italiener Carlo Chatrian als künstlerischer Leiter die gebürtige Niederländerin Mariette Rissenbeek als geschäftsführende Leiterin.

Grütters kündigte am Donnerstag einen Runden Tisch zur Filmförderung in Deutschland an. Sie kritisierte, dass es 2018 nur wenige zugkräftige Filme aus Deutschland gab. An zu wenig Geld in den Fördertöpfen könne es nicht liegen, denn die seien gut gefüllt, so die Kulturstaatsministerin.

Neben den Goldenen und Silbernen Bären werden in den kommenden zehn Tagen noch zahlreiche weitere Preise auf der Berlinale vergeben. Den goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk erhält am 14. Februar die britische Film- und Theaterschauspielerin Charlotte Rampling. Verschiedene unabhängige Jurys überreichen unter anderem den Amnesty International Filmpreis und den Friedensfilmpreis. Die evangelische und katholische Kirche zeichnen zudem Filmschaffende mit dem "Preis der Ökumenischen Jury" aus.

epd ost mg phi