Umwelt
Nabu kritisiert Stimmungsmache gegen Kegelrobben
Berlin, Stralsund (epd). Naturschützer haben einzelnen Fischern und Politikern Stimmungsmache gegen die streng geschützten Kegelrobben in der Ostsee vorgeworfen. Es sei unangemessen und schäbig, wenn von einer Robbenplage geredet und Abschussquoten gefordert würden, während die Staatsanwaltschaft noch ermittle und sich Naturschutz und Wissenschaft um den kleinen Bestand der Kegelrobben sorgten, teilte der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu), Leif Miller, mit. "Die Akteure vor Ort wären gut beraten, aufzuklären und mögliche schwarze Schafe unter den Fischern zu identifizieren, anstatt Stimmung gegen eine streng geschützte Art zu machen."

Nach Nabu-Angaben wurden Ende vergangenen Jahres 23 Kegelrobben tot im Greifswalder Bodden gefunden, die Hälfte des deutschen Ostsee-Bestandes. Die Staatsanwaltschaft ermittle, da die Tiere keines natürlichen Todes gestorben seien, hieß es vom Nabu. Trotzdem nutzten einzelne Politiker und Fischer die Situation, um die Robben für sinkende Fischbestände verantwortlich zu machen und Obergrenzen für die Robben zu fordern.

Der Nabu unterstütze einen Managementplan für die Kegelrobben, um mögliche Konflikte zu erkennen und nach Lösungen zu suchen, sehe den mühsamen Kompromiss aber jetzt gefährdet, hieß es. "Wir müssen uns damit beschäftigen, wie Fischerei und Kegelrobben miteinander auskommen", sagte Miller. Dazu gehörten ein wissenschaftliches Monitoring, Aufklärung zum Umgang mit den Tieren sowie die unbürokratische Kompensation von Schäden. Ein Managementplan habe aber nur eine Zukunft, wenn die Ursache der Todesfälle aus 2017 aufgeklärt und die Diskussion wieder versachlicht werde.

Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund startete im vergangenen Jahr ein Forschungsprojekt "Kegelrobben der deutschen Ostsee". Bis 2020 sollen dabei Lebensweise und -räume dieser Meeressäuger in der südlichen Ostsee untersucht und passende Schutzmaßnahmen abgeleitet werden, hatte das Meeresmuseum im Dezember 2017 mitgeteilt.

Die Kegelrobbe ist das größte in Deutschland freilebend vorkommende Raubtier. Sie kann bis zu 300 Kilogramm schwer und 2,50 Meter groß werden. Nach über 80 Jahren, in denen sie hier als ausgerottet galt, kehrt sie nach Angaben des Meeresmuseums an die Ostseeküste zurück. Gründe für ihr Verschwinden seien Jagd, Lebensraumverlust und die massive Verschmutzung des Meeres mit Umweltgiften gewesen.

Laut Meeresmuseum lebten um 1900 noch mehr als 100.000 Kegelrobben an der gesamten Ostseeküste. Seit 2004 wird diese Robbe wieder regelmäßig gesichtet. Die Zahlen steigen von Jahr zu Jahr. Heute leben 30 bis 200 Tiere an den deutschen Ostsee-Küsten, wobei die Bestände saisonal schwanken. In der gesamten Ostsee gibt es derzeit etwa 30.000 Tiere.