Kultur
Museen entdecken ihre Schätze
Hamburg (epd). Die vergessenen, unentdeckten und beschädigten Sammlungen deutscher Museen standen fünf Jahre lang im Zentrum eines bundesweiten Bündnisses deutscher Stiftungen. 26 Millionen Euro seien in 292 Projekte investiert worden, sagte Sebastian Giesen von der Hamburger Hermann Reemtsma Stiftung zum Abschluss des Projekts. Bei vielen Museumsleitungen habe ein Umdenken stattgefunden, sich stärker auf die eigenen Bestände zu konzentrieren. "Nur wer seine Sammlung kennt, kann damit arbeiten."

Gut die Hälfte der Projekte beschäftigte sich mit der Konservierung und Restaurierung der Sammlungen. Als Beispiel für eine erfolgreiche Restaurierung nannte Giesen die über sieben Meter lange "Goldene Tafel" im Landesmuseum Hannover. Das große Damaskus-Zimmer im Dresdner Völkerkundemuseum konnte von syrischen Restauratorinnen erstmals vollständig erneuert werden und wird heute auch von Geflüchteten als Teestube genutzt.

Etwa jedes dritte Projekt diente der Erschließung und Erforschung der Sammlungen. So wurden die Ostasien-Sammlung des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe, die Sammlung ziviler Uniformen im Landesmuseum Braunschweig und das Familien- und Gutsarchiv in Lüneburg erschlossen.

Es sei für ein Museum erst einmal notwendig zu wissen, was es hat, sagte Christine Neuhaus von der "Zeit"-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius. Dann müsse überprüft werden, welchem Künstler die Werke zugeordnet werden können und auf welchen Wegen sie ins Museum gekommen sind. Am Ende müssten die Bestände über Kataloge und Internet-Plattformen öffentlich gemacht werden.

Jedes zehnte Projekt widmete sich dem Bau. Neue Depots und Zentralmagazine erhielten unter anderem die Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen Schloss Gottorf, das Roemer und Pelizaeus Museum Hildesheim und das Städtische Museum im sächsischen Zittau. Auch der künstlerische Nachlass des Malers und Grafikers John Heartfield in der Akademie der Künste Berlin konnte gesichert werden. In der Stuttgarter Staatsgalerie wurde ein Schau-Atelier eingerichtet, in dem die Besucher den Restauratoren bei der Arbeit zusehen können.

In 108 Orten seien die Stiftungen aktiv gewesen, sagte Giesen. Neben den großen Städten sollten durch niedrigschwellige Formalitäten auch Museen in kleineren Orten davon profitieren. Neben den 26 Millionen Euro der Stiftungen hat das Bundesbildungsministerium im gleichen Zeitraum rund 30 Millionen Euro in 41 vergleichbare Forschungsvorhaben investiert.

13 Stiftungen hatten sich an dem Bündnis beteiligt, darunter die Rudolf-August-Oetker-Stiftung, die Volkswagen-Stiftung, die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Wüstenrot Stiftung. Für größere Projekte hätten sich mehrere Stiftungen zusammengetan. Das Bündnis laufe zwar aus, so Giesen. Da die Probleme aber bleiben, würden die einzelnen Stiftungen auf ihren Gebieten weiter tätig sein.