Soziales
"Hinz&Kunzt": Kältewelle kann für Obdachlose den Tod bedeuten
Hamburg (epd). Angesichts der bevorstehenden Kältewelle in Hamburg fordert das Straßenmagazin "Hinz&Kunzt" die Öffnung des Winternotprogramms für alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft. Auch am Tage müssten die beiden Notunterkünfte in der Friesenstraße und am Schaarsteinweg geöffnet bleiben. "Die Obdachlosen tagsüber in die Kälte zu schicken, ist gefährlich", sagte Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer. Für den geschwächten Körper eines Obdachlosen könne das den Tod bedeuten. "Besonders bei der grassierenden Grippewelle." Derzeit müssten bislang täglich 600 Obdachlose zwischen 9.30 und 17 Uhr die Unterkünfte verlassen.

Das Magazin kritisiert, dass bisher sogar nachts Menschen an den Türen des Winternotprogramms abgewiesen worden seien. Rund 100 Obdachlose aus Osteuropa wurde demnach der Zugang verwehrt, weil sie im Herkunftsland eine Meldeadresse haben. "Das ist unmenschlich, ihnen bei diesen Temperaturen ein Bett zu verweigern," so Karrenbauer.

Nach Schätzungen des Diakonischen Werks leben rund 2.000 Menschen in Hamburg auf der Straße. Seit Jahren setzen sich Fachleute für die Öffnung der Notunterkünfte auch tagsüber ein. Zuletzt forderten der ehemalige Obdachlose Jörg Petersen und das "Hinz&Kunzt" in einer Online-Petition einen Zugang für alle - auch am Tage. Mehr als 100.000 Menschen haben sich inzwischen dieser Forderung unter change.org/winternotprogramm angeschlossen.