Ethik
Frauenwerk: "Paragraf 219a ist nicht mehr zeitgemäß"
Kiel (epd). Das Frauenwerk der Nordkirche fordert die Abschaffung des Strafrechtsparagrafen 219a. Dieser Paragraf verbiete nicht nur die Werbung für Schwangerschaftsabbrüche, sondern stelle bereits die schlichte sachliche Information unter Strafe, teilte das Werk mit. Es sei unverständlich, dass heutzutage das Informationsrecht von Verbrauchern gestärkt werde, Frauen jedoch der Zugang zu Informationen zum Schwangerschaftsabbruch und eine entsprechend fundierte Entscheidung erschwert werde, sagte Pastorin Susanne Sengstock, stellvertretende Leiterin des Frauenwerkes. "Das ist nicht mehr zeitgemäß." Anlass war eine Debatte des Bundestages über den Paragrafen am 22. Februar.

Eine Schwachstelle des Paragrafen 219a sei, dass nicht zwischen Werbung und Information unterschieden wird. Wenn Ärzte etwa auf ihrer Homepage darauf hinweisen, dass die Kosten eines Abbruchs nicht von Krankenkassen übernommen werden, könne schon dieser Hinweis strafbar sein. "Es muss garantiert sein, dass Ärztinnen und Ärzte, die sich an das gesetzlich geregelte Verfahren zur Beendigung einer Schwangerschaft auf Wunsch einer Patientin halten, rechtskonform handeln", fordert das Frauenwerk. Und Frauen in Notlagen müssten sich unabhängig informieren können.

Das Frauenwerk der Nordkirche setzt sich den eigenen Angaben zufolge für die Rechte von Schwangeren ein, es gehe um den Schutz des ungeborenen Lebens und um den Schutz der schwangeren Frau. Schwangerschaftsnotlagen sind ein Thema, von dem vor allem Frauen betroffen sind, unter Umständen ihr Leben lang. "Wir lehnen eine Kriminalisierung von Frauen, die eine Schwangerschaft abgebrochen haben oder von Frauen, die überlegen, dies zu tun, ab. Das Ganze ist und bleibt eine schwere Entscheidung."