Soziales
70 Empfehlungen für Kinderschutz
Hamburg (epd). Nach zweijähriger Arbeit hat die Hamburger Enquete-Kommission zur Stärkung von Kinderschutz und Kinderrechten ihre Arbeit abgeschlossen. Kommissionsvorsitzender Prof. Christian Schrapper (SPD) übergab den 639-seitigen Abschlussbericht am Donnerstag (17. Januar) m Rathaus an Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD). Die insgesamt 70 Empfehlungen der Kommission reichen von Neustrukturierungen der diversen Hilfeeinrichtungen bis hin zur Überprüfung der Dokumentations-Software "Jus-it". Empfehlung Nummer 70 schlägt einen jährlichen "Tag des Jugendamtes" vor, um die Arbeit für eine breite Öffentlichkeit transparenter zu machen.

"Kinderschutz ist kein Feld für Schnellschüsse oder parteipolitische Profilierung", sagte Schrapper bei der Übergabe. So sei denn der Bericht auch einvernehmlich von den in der Kommission vertretenen Abgeordneten aller Bürgerschaftsparteien beschlossen worden. "Kinderschutz braucht die Anerkennung der gesamten Zivilgesellschaft und der Öffentlichkeit", sagte Schrapper. Diese Anerkennung müsse auch allen in diesem Bereich tätigen Fachkräften gelten.

Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit dankte der Kommission für die geleistete Arbeit. Es sei "ein starkes Anliegen der Bürgerschaft, das Wohl der Kinder in Zukunft besser zu schützen". Dafür sei der Bericht der Kommission "ein wichtiger Baustein". Die Bürgerschaft hatte die Kommission im September 2016 eingesetzt, nachdem in mehreren Fällen Kinder in Hamburg gewaltsam zu Tode gekommen waren, obwohl sie unter staatlicher Obhut standen.

Das Diakonische Werk Hamburg begrüßte die Empfehlungen der Enquete-Kommission. Dies gelte besonders für das zentrale Thema der Kommission, nämlich die "Einhaltung von Regeln" sowie ihre "verantwortungsvolle Anwendung". Diakonie-Vorstandsmitglied Gabi Brasch hob die Empfehlung der Kommission hervor, bei der Anwendung von Regeln immer die individuelle Situation der betroffenen Familie zu berücksichtigen. "Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser", sagte sie. Nur auf einer Vertrauensbasis ließe sich erfahren, wie die Situation in einer Familie wirklich aussieht. Und nur dann gebe es "eine Chance, Kinder in Not auch wirkungsvoll zu schützen", fügte sie hinzu.

Die Diakonie in Hamburg hatte die Sitzungen der Enquete-Kommission regelmäßig begleitet, an Anhörungen teilgenommen und sich mit eigenen Beiträgen beteiligt. Mit 530 Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe, darunter 165 Kitas, ist die Diakonie Hamburg einer der größten Verbände in diesem sozialen Arbeitsfeld.

epd me nik