Ethik
Witwe Litwinenkos: Zwischen System Putin und dem Volk unterscheiden
Bremen (epd). Die Witwe des früheren russischen Agenten Alexander Litwinenko, Marina Litwinenko, appelliert an die Öffentlichkeit, deutlich zwischen dem "System Putin" und dem russischen Volk zu unterscheiden. Putin stehe für mafiöse Strukturen und Korruption, das russische Volk sei friedliebend und stehe für eine vielfältige Kultur, sagte sie am Mittwochabend bei einer Diskussion der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bremen. Alexander Litwinenko war 2006 in London mutmaßlich vom russischen Geheimdienst mit radioaktivem Polonium vergiftet worden.

Mit dem Anschlag auf ihren Mann sollte nach Einschätzung von Marina Litwinenko ein "unerklärlicher Tod" inszeniert werden, um den Kreis russischer Dissidenten in London in Misskredit zu bringen. Auch ihr selbst habe der Kreml den Tod ihres Mannes in die Schuhe schieben wollen, berichtete die Witwe. Morde und eine kriegerische Propaganda passten zum "System Putin", betonte sie mehrfach. Dass der Westen auf die Politik des russischen Präsidenten mit Sanktionen reagiere, sei richtig: "Das ist politische Etikette."

Allerdings sei es ein Problem, dass vor allem der von Putin selbst verfügte Stopp von Lebensmittel-Importen aus dem Westen als Gegensanktion das Volk treffe. Effektiver wären Maßnahmen gegen Einzelpersonen. Marina Litwinenko versteht darunter Sanktionen wie beispielsweise Einreiseverbote und Kontensperrungen für hochrangige Vertreter des "Systems Putin".

Einen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland hätte sie dagegen komplett abgelehnt. "Nein, die einfachen Leute, das russische Volk braucht dieses Fest", sagte sie im Verlauf der Diskussion. "Die vielen ausländischen Gäste im Land, das ist ein ganz anderes Leben, eine Freude, die es dort lange nicht gegeben hat." (5045/05.07.18)