Kultur
Theater "Das letzte Kleinod" spielt Stück über Kaiser Wilhelm II.
Osnabrück, Bad Bentheim (epd). Die Theatergruppe "Das letzte Kleinod" aus Geestenseth bei Bremerhaven gastiert mit ihrem Theaterzug und dem neuen Stück "Wilhelmina" in Osnabrück und Bad Bentheim. Das Stück erzählt die Geschichte des Exils von Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) in den Niederlanden, wie das Ensemble mitteilte. Im Jahr 1918, am Ende des Ersten Weltkriegs, floh Wilhelm in einem Zug aus Berlin in die Niederlande und verbrachte dort mehr als zwei Jahrzehnte im Exil.

Die Schauspieler geben den Angaben zufolge unter der Regie von Jens-Erwin Siemssen einen Einblick in das Privatleben des Kaisers. Sie vermitteln das Bild eines gescheiterten Herrschers, der seinen Frust über den Machtverlust durch das Abholzen und Zersägen ganzer Wälder abbaut. Dem Hofstaat hält er stundenlange Monologe.

Die Zuschauer erleben die Geschichte des Kaisers hautnah im typischen ozeanblauen Zug des Theaters mit, der wie der Hofzug des Kaisers eingerichtet ist. Das Stück setzt sich aus Sicht der Initiatoren mit viel Humor und Musik mit diesem bizarren und wenig bekannten Kapitel deutsch-niederländischer Geschichte auseinander.

Der Regisseur und Autor Siemssen hat den Angaben zufolge in Deutschland und den Niederlanden ältere Zeitzeugen und ihre Nachfahren zu ihren Erfahrungen aus dieser Zeit befragt. Dabei sei es gelungen, das Patenkind der Kaiserin Hermine ausfindig zu machen, der zweiten Ehefrau von Wilhelm II. Auch die Enkelin des niederländischen Grafen Bentinck, bei dem der Kaiser mehrere Monate logiert habe, hat Siemssen interviewt. Mit historischen Tagebüchern und Presseberichten hat er das Bild von der Flucht und dem Exil des Kaisers vervollständigt. (5130/05.07.18)