Umwelt
Schweinzuechter Armin Luehrs (Lührs, 25) am 25.06.2015 in einem der Schweinestaelle auf dem Hof seines Vaters Friedrich im niedersaechsischen Diepholz.
© epd-bild / Uwe Lewandowski
Studie: Nur wenige Kunden kaufen Fleisch mit Tierwohl-Siegel
Osnabrück (epd). Nach einer Studie der Hochschule Osnabrück kaufen deutlich weniger Verbraucher teures Fleisch mit einer Kennzeichnung für mehr Tierwohl als dies grundsätzlich in Befragungen erklären. Nur 16 Prozent der Einzelhandelskunden hätten während einer neunwöchigen Testphase in 18 Supermärkten Fleisch mit Tierwohl-Siegel aus dem mittleren Preissegment gekauft, sagte Professor Ulrich Enneking am Donnerstag. "Die Kaufentscheidungen der Kundinnen und Kunden im Test weichen somit stark von den Mehrpreisbereitschaften ab, die in vielen uns bekannten Befragungen ermittelt wurden."

Auch bei der parallel durchgeführten Befragung im Kassenbereich hätten deutlich mehr Menschen angegeben, Tierwohl-Produkte zu bevorzugen, betonte der Professor für Agrarmarketing. Die Kunden hätten zudem lediglich Preisaufschläge zwischen 9 und 13 Prozent akzeptiert. Bei merklich höheren Preisaufschlägen (zum Beispiel 26 Prozent für Gulasch) sowie kleineren Erhöhungen seien die Absätze deutlich zurückgegangen.

Das tatsächliche Kaufverhalten hänge offenbar noch von anderen Faktoren ab als nur der grundsätzlichen Bereitschaft, Fleisch mit Tierwohl-Siegel zu kaufen. Dazu gehöre möglicherweise die eigene Kaufkraft und auch das Produkt an sich, sagte Enneking. Deshalb sei es falsch, von einer grundsätzlich und immer vorhandenen Bereitschaft zu sprechen, mehr Geld für mehr Tierwohl auszugeben. Er forderte weitere Forschungen in diesem Bereich, die sich mehr auf das reale Kaufverhalten als auf theoretische Fragestellungen konzentrieren sollten.

Für die Studie der Hochschule Osnabrück wurde zwischen dem 15. Oktober und 15. Dezember 2018 das tatsächliche Kaufverhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern in 18 EDEKA- und NP Discount-Märkten der EDEKA-Regionalgesellschaft Minden-Hannover untersucht. Dabei ging es um den Verkauf von Selbstbedienungsware bei Bratwurst, Minutensteak und Gulasch aus Schweinefleisch. Zur Auswahl standen eine Preiseinstiegsmarke, eine die Bio-Premiummarke und ein neues Produkt im mittleren Preissegment mit Tierwohl-Siegel, das besonders beworben wurde. (7187/17.01.19)