Soziales
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (re,) besuchte am 11.08.17 die Katholische Schule für Gesundheits- und Pflegeberufe Dortmund gGmbH und informierte sich über ein landesweit wegweisendes Pilotprojekt.
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"Sie wollen in ihrem Beruf arbeiten und nach Deutschland kommen"
Pflegedienst der Göttinger Uni-Klinik wirbt im Ausland gezielt um Fachkräfte
Göttingen (epd). Der Parcours durch das große Gebäude musste relativ schnell absolviert werden. Einen Tag lang haben sich 36 Frauen und Männer, ausgebildete Pflegekräfte aus verschiedenen Regionen Italiens, durch die Göttinger Universitätsklinik führen lassen. Anschließend sind sie noch durch die Stadt gebummelt. "Das war nicht allzu viel Zeit", räumt der stellvertretende Pflegedirektor der Göttinger Universitätsmedizin, Holger Gottschling, ein. "Aber sie konnten sich einen Eindruck von unserem Haus und der Stadt verschaffen."

"Die meisten hatten sich Göttingen kleiner und nicht so schön vorgestellt", ergänzt Pflegedirektorin Helle Dokken. "Wir hoffen, dass am Ende 20 oder mehr aus dieser Gruppe bei uns in der Universitätsklinik in Göttingen arbeiten wollen."

Die Idee zu dem Schnupper-Besuch hat Dokken aus ihrer Zeit als Pflegedirektorin an der Münchner Universitätsklinik mitgebracht. Inzwischen wirbt der Pflegedienst der Universitätsmedizin gezielt in Ländern wie Italien und auf den Philippinen um gut ausgebildete Pflegekräfte. Im Februar geht die Suche im philippinischen Manila weiter.

Dabei arbeitet der Pflegedienst mit spezialisierten Personalagenturen vor Ort zusammen. Diese Agenturen suchen in den jeweiligen Ländern nach Pflegefachkräften. Dann interviewt die Agentur für eine erste Vorauswahl die Bewerberinnen und Bewerber. Im Vorfeld des Besuches der Italiener in Göttingen hat zum Jahresbeginn ein Team mit Pflegedienstleitungen aus der Universitätsmedizin in Rom Gespräche mit etwa 60 Kandidatinnen und Kandidaten geführt.

In Italien hatten sich auf die Stellenanzeige eines Personalunternehmens in verschiedenen Internetportalen insgesamt 737 Gesundheits- und Krankenpfleger beworben. Die meisten von ihnen haben einen vierjährigen Bachelor-Abschluss. "Diese Resonanz hat uns sehr gefreut und beeindruckt. Sie wollen in ihrem Beruf arbeiten und sind bereit, dafür auch nach Deutschland zu kommen", so Dokken. Ein Grund für die große Nachfrage seien die schlechten Arbeitsmarktbedingungen und die hohe Arbeitslosigkeit in Italien. Dort werden mehr Pflegekräfte ausgebildet, als es Stellenangebote gibt.

Die Pflegeausbildung ist in dem südeuropäischen Land schon lange ein eigener Studiengang, hat Holger Gottschling von den Besuchern erfahren. Inhaltlich unterschiede sich die Ausbildung aber nicht allzu sehr von der in Deutschland: "Anders als hier, liegt dort allerdings ein Schwerpunkt auf der Notfallmedizin."

Voraussetzung für die Arbeit an der Universitätsmedizin ist der Nachweis eines Sprachkurses, bei dem die Italienerinnen und Italiener einen B2-Abschluss in Deutsch erreichen müssen. Dann könnten sie noch in diesem Jahr nach Göttingen an die Universitätsmedizin kommen - zunächst als Pflegefachhelfer und nach der staatlichen Anerkennung als Pflegefachkraft. Dokken und Gottschling hoffen, dass viele der Bewerber einen Vorvertrag unterzeichnen.

Für die Entwicklung des Personalstammes an der Universitätsmedizin nennt Dokken indes eine klare Priorität: "Zuerst wollen wir die Menschen, die zum Teil schon sehr lange am Universitätsklinikum arbeiten, bei uns halten, dann kommt das Gewinnen neuer Mitarbeiter." Dies sei der Weg, mit dem das Universitätsklinikum in Göttingen die krankenpflegerische Versorgung sichern wolle. Schon Mitte Februar fliegt ein Team des Pflegedienstes und der Bildungsakademie der Universitätsmedizin nach Manila auf den Philippinen, um auch dort Informations- und Auswahlgespräche mit Pflegekräften zu führen. (4037/04.02.19)

Von Reimar Paul (epd)