Kirche
Protest mit nacktem Luther gegen Reformationstag als Feiertag
Hamburg, Hannover (epd). Mit einer nackten Luther-Figur wollen Aktivisten der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung in den kommenden Tagen in mehreren Städten gegen die Einführung des Reformationstages als neuen Feiertag in Norddeutschland protestieren. Nach dem Start an diesem Dienstag (27. Februar) in Hamburg macht die Aktion "Die nackte Wahrheit über Martin Luther" in Kiel, Bremen und Hannover Station, wie die Stiftung mitteilte.

"Wer den 31. Oktober zum Feiertag erklärt, der geht nicht nur dem Märchen vom Thesenanschlag in Wittenberg auf den Leim, sondern der feiert damit auch einen der wirkmächtigsten Antisemiten", sagte der Initiator der Aktion, David Farago. Nicht ohne Grund hätten sich ranghohe Nationalsozialisten immer wieder auf Martin Luther berufen: "Hierüber klären wir mit unserer Figur auf."

Die mehr als vier Meter hohe Skulptur weise auf die dunklen Seiten des Reformators hin, über die allzu oft der Mantel des Schweigens gelegt werde. Sie zeigt nach Angaben der Stiftung eine nackte Lutherfigur mit geöffnetem Mantel. Auf der Innenseite des Mantels prange ein Zitat des Philosophen Karl Jaspers: "Luthers Ratschläge gegen die Juden hat Hitler genau ausgeführt." Auf der Rückseite seien die judenfeindlichen Ratschläge des Reformators zu lesen.

"Nach heutigen Maßstäben wäre Luther ein Hassprediger", sagte der Sprecher der Aktion, Maximilian Steinhaus. Die Reformation habe "Millionen Todesopfer" gekostet. Dass die Politiker in Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sich trotz zahlreicher weltlicher Alternativen nur auf den Reformationstag als neuen Feiertag verständigt hätten, sei "nicht nur ideenlos, sondern geschichtsvergessen".

Der Landtag in Schleswig-Holstein hat bereits den 31. Oktober zum neuen arbeitsfreien Feiertag erklärt. In Bremen sprach sich die Bürgerschaft in erster Lesung ebenfalls für den Reformationstag aus. Auch in Hamburg ist davon auszugehen, dass am 28. Februar eine Mehrheit der Abgeordneten für den 31. Oktober votiert. In Niedersachsen plant die rot-schwarze Landesregierung eine Verbandsanhörung.

Luthers Judenhass vor allem in seinen letzten Lebensjahren ist auch in der Kirche ein Thema. Im November 2016 verbanden evangelische Theologen aus Hannover dem Luther-Denkmal vor der zentralen Marktkirche in der Stadt die Augen. Die Aktion am Jahrestag der Reichspogromnacht sollte an die Judenfeindlichkeit Luthers erinnern und zum Einsatz gegen Antisemitismus auffordern. Auch der hannoversche Landesbischof Ralf Meister beteiligte sich an der Aktion. (6186/26.02.18)