Kultur
Museum gibt Einblicke ins Innerste einer Mumie
Hildesheimer Ausstellung zeigt dreidimensionales Hologramm
Hildesheim (epd). Bei einer Ausstellung im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum ist erstmals ein dreidimensionales, im Raum schwebendes und animiertes Hologramm einer Mumie zu sehen. Diese Art der Präsentation sei niemals zuvor in einem Museum realisiert worden, sagte Kurator Oliver Gauert am Donnerstag. Er sprach von einer Sensation für die Museumslandschaft und die Wissenschaft. Die Schau "Ta-cheru. Eine Reise ins Innere der Mumie" läuft bis zum 30. September. Für die Ausstellung hatte das Museum die rund 2.800 Jahre alte Mumie der vornehmen Ägypterin "Ta-cheru" (übersetzt "die Syrerin") computertomografisch untersucht.

In einer vierseitigen Pyramide schwebe die durch Lichtprojektion erzeugte dreidimensionale Abbildung der Mumie frei im Raum, erläuterte Gauert. Mit jeder Umdrehung werde eine Schicht abgetragen. So ist zunächst der Sarg zu sehen, dann das Tuch, die Muskeln und Weichteile des Körpers bis hin zum Knochen. Die Mumie "Ta-cheru" aus dem 7. oder 8. Jahrhundert vor Christus stammt aus einem Museum im schottischen Aberdeen. Eine Kinder-Mumie aus der Renaissance-Zeit ist ebenfalls als Hologramm abgebildet.

Museumsdirektorin Regine Schulz sagte, es sei dem Museum wichtig, respektvoll mit den menschlichen Überresten umzugehen. "Es geht um Menschen, nicht um irgendwelche Horrorgeschichten." Es gehe auch darum, die heutige Einstellung zum Tod und zum Sterben mit der Vorstellung der alten Ägypter zu vergleichen. So werden neben den Hologrammen auch Objekte aus Peru oder Tiermumien gezeigt wie beispielsweise der Sarg für eine Spitzmaus aus dem alten Ägypten. Neben den Hologrammen sind auch originalen Mumien zu sehen.

Die Besucher bekommen bei der Ausstellung laut Gauert einen umfassenden Einblick in die Geschichte der bildgebenden Diagnostik, sowohl in der Mumienforschung als auch in der Medizin. Die Mumienforschung im 19. Jahrhundert sei mit großer Zerstörung und geringem Erkenntnisgewinn einhergegangen.

Erst mit den beginnenden Röntgen-Untersuchungen habe dies abgenommen, und die Anfang der 1970er Jahre eingeführte Computertomografie sei eine Revolution gewesen. "Durch die Weiterentwicklung von der Computertomografie über die 3-D-Rekonstruktionen bis zur Holografie sind wir heute an dem Punkt angelangt, an dem wir wieder sezieren können, nur ohne den Körper zu berühren, ohne ihn in irgendeiner Weise zu zerstören."

Die Ausstellung wird anschließend in Aberdeen und dann in den USA gezeigt. In Hildesheim waren zuletzt mehrere Mumien computertomografisch untersucht worden. Auch das Gewebe wurde per Radiokarbon-Methode erforscht. Vor zwei Jahren zeigte das Museum die nach eigenen Angaben weltweit größte Mumien-Ausstellung mit rund 200 Exponaten, die rund 32.000 Besucher anzog. Daraufhin wurde von Hildesheim ausgehend ein internationales Mumien-Forschungsprojekt begründet, das zu neueren hochauflösenderen Untersuchungen unter anderem in Heidelberg geführt habe, hieß es. (8175/28.06.18)