Kirche
Verena Paul (21) bespricht mit Diakon Joerg Christian Lindemann am 21.02.18 Plaene fuer den Jugendmitarbeiterkreis. Vor drei Jahren wurde die junge Frau in den Kirchenvorstand der Osnabruecker Petrusgemeinde berufen.
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Jung und zielstrebig
Verena Paul war schon mit 18 Jahren Kirchenvorstandsmitglied und stellt sich nun erstmals zur Wahl
Osnabrück (epd). Verena Paul steht in der Tür zum Gemeindehaus in der evangelischen Petrusgemeinde in Osnabrück und breitet einladend die Arme aus. Die 21-Jährige geht in ihrer Kirche ein und aus. Vor drei Jahren wurde sie in den Kirchenvorstand berufen - da hatte sie gerade das Mindestalter für die Mitarbeit in dem leitenden Gremium erreicht. "Ich habe in der Gemeinde praktisch meine ganze Kindheit und Jugendzeit verbracht", sagt die energische junge Frau und ergänzt: "Hier ist mein zweites Zuhause."

Deshalb würde sie gerne auch weiterhin als Ehrenamtliche die Interessen der Jugend vertreten. Am 11. März stellt Paul sich erstmals für den Kirchenvorstand zur Wahl. Damit gehört sie zu den Jüngsten und zu einer Minderheit. Die meisten der insgesamt rund 15.000 Kandidaten der hannoverschen Landeskirche sind deutlich jenseits der 25. Die Gemeinden tun sich schwer, junge Menschen für diese verantwortungsvolle Aufgabe zu gewinnen. In der Petrusgemeinde ist das anders.

Viele der Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher haben ihre Wurzeln in der Jugendarbeit der Gemeinde, sagt Diakon Jörg-Christian Lindemann. Die ist eng mit dem Hilfsprojekt "Jedes Kind braucht einen Engel" verknüpft, für das die Gemeinde bereits mit dem Förderpreis der Landeskirche ausgezeichnet wurde. Lindemann leitet das Projekt. Kernstücke sind eine Kinderferienbetreuung, Hausaufgabenhilfe und ein Secondhand-Laden. Auch Verena Paul war als Älteste von vier Geschwistern in den Schulferien regelmäßig Gast im Gemeindehaus.

Mit 14 hat sie selbst das Programm mit gestaltet. Kurze Zeit später gehörte sie bereits zum Leitungsteam. Heute ist sie Vorsitzende des Jugend-Mitarbeiterkreises "Jumak" und engagiert sich in der Konfirmandenarbeit. "Ich habe hier so viele Freunde gefunden, die mittlerweile beruflich ganz unterschiedlich unterwegs sind", sagt die medizinische Fachangestellte. "Aber hier treffen wir uns alle immer noch regelmäßig - zum Spielen, Musik hören oder Kochen."

Mit Glaubensfragen beschäftigen sich die Jugendlichen eher weniger. "Aber das ist hier völlig okay", sagt Paul. Pastor Matthias Bochow erklärt: "Wir sind eine diakonische Gemeinde, bei der sich vieles um das Hilfsprojekt dreht." Rund 20 Jugendliche arbeiteten regelmäßig ehrenamtlich dort mit. Dem Kirchenvorstand sei es wichtig, auf deren Fragen und Wünsche einzugehen. Seit kurzem haben sie zum Beispiel einen eigenen Raum, den sie selbst gestalten durften. Ein Sitz in dem Gremium sei immer für die Berufung eines Jugendmitarbeiters reserviert. "Viele bleiben der Gemeinde nachher auch als Erwachsene treu."

Die gemeinsame Arbeit im Kirchenvorstand trage zu einem insgesamt guten Verhältnis zwischen jüngeren und älteren Ehrenamtlichen bei, erzählt Verena Paul. "Sie fragen uns, wo wir zum Beispiel bei Gemeindefesten mitarbeiten möchten." Umgekehrt übernehmen Konfirmanden nach einem neu entwickelten Modell seit neuestem regelmäßig Aufgaben in den Gottesdiensten. "Das kommt gut an, und die Konfirmanden haben Spaß daran, die Kollekte einzusammeln oder aus der Bibel vorzulesen."

Sie selbst reizt die KV-Arbeit aber noch aus einem anderen Grund. "Es ist spannend, hinter die Kulissen zu gucken und alles mitentscheiden zu dürfen." Von außen hätten viele den Eindruck, die Arbeit bei den Sitzungen einmal im Monat sei langweilig. Das Gegenteil sei der Fall, findet die junge Frau. Die Themen seien vielfältig - von Bauunterhaltung über Finanzen bis zur Planung von Veranstaltungen. "Da spürt man, dass die Gemeinde lebt." (6030/06.03.18)

Von Martina Schwager (epd)