Umwelt
Der "Weinberg" bei Wetzlar, gehört zum "Nationalen Naturerbe" (Foto vom 15.05.2013). Vor etwa einem Jahr übertrug der Bund die 180 Hektar-Fläche der Stiftung des Naturschutzbundes NABU.
© epd-bild / Rolf K. Wegst
Hendricks: Effektivste Maßnahme gegen Wolfsrisse ist der Herdenschutz
Oldenburg, Berlin (epd). Im Streit um die Ausbreitung von Wölfen hat Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) der Forderung von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) nach einer Abschussquote für Wölfe erneut eine Absage erteilt. Die einzig effektiven Maßnahmen, das Vieh auf den Weiden vor Wolfsrissen zu schützen, seien elektrisch geladene Schutzzäune und Herdenschutzhunde für Schafe, sagte Hendricks der Oldenburger "Nordwest-Zeitung" (Sonnabend). Unterdessen protestierten Nutztierhalter auf Initiative des Landvolks in Niedersachsen am Freitagabend wieder mit sogenannten "Mahnfeuern" gegen Wölfe.

Die Ministerin verurteilte den mutmaßlichen Abschuss eines Wolfes in Baden-Württemberg. Vor wenigen Tagen war bekanntgeworden, dass der Anfang Juli im Schluchsee gefundene tote Wolf erschossen worden ist. Hendricks forderte "sorgfältige Ermittlungen". Der Abschuss eines Wolfes sei eine Straftat, die mit Geldstrafe oder sogar einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden könne. "Es geht nicht, dass sich Menschen über das Gesetz erheben und damit nach Wild-West-Manier handeln." Das Tier habe sich wie ein typischer Wolf unbemerkt aufgehalten und sei nirgends aufgefallen. Nach Angaben des Naturschutzbundes Nabu sind seit dem Jahr 2000 mehr als 20 Wölfe in Deutschland illegal erschossen worden.

Die Jagd helfe grundsätzlich nicht, Risse bei Nutztieren zu vermeiden, betonte Hendricks. Das Ausmaß der Schäden an Nutztieren sei weder von der Größe des Wolfsbestandes noch von der Anzahl der Nutztiere in einem Gebiet abhängig. "Entscheidend ist, wie gut oder schlecht vor allem Nutztiere geschützt sind." Sie würden vor allem dort vermehrt gerissen, wo Wölfe neue Territorien besiedelten und die Tierhalter sich noch nicht auf die Anwesenheit von Wölfen eingestellt hätten.

Einen 100-prozentigen Schutz könne es jedoch nicht geben, räumte die Ministerin ein. "Es wird immer wieder zu Nutztierrissen kommen, an denen auch eine Bejagung nichts ändern würde." Wölfe, die wiederholt Herdenschutzmaßnahmen überwänden und Tiere rissen oder sich gegenüber Menschen besonders distanzlos zeigten, könnten schon jetzt erschossen werden.

Dem Niedersächsischen Landvolk reichen diese Ausnahmeregeln nicht. Vizepräsident Jörn Ehlers plädierte für ein "aktives Wolfsmanagement auch als erzieherische Maßnahme, um den Wolf in bestimmten Regionen wie den ausgeprägten Weidelandschaften Norddeutschlands in seine Schranken zu verweisen". Die hier lebenden Wölfe hätten die Scheu vor Nutztieren und Menschen offensichtlich verloren, die Wölfe nähmen den Menschen nicht als Gefahr wahr und näherten sich immer wieder menschlichen Siedlungen und Weidetieren. Die Wolfsbestände müssten aktiv reguliert werden. (3026/13.08.17)