Ethik
Symbolfoto zum Thema "Armut in Deutschland": Eine aeltere Frau haelt ein Portemonaie mit einigen Geldmuenzen in ihrer Hand (Foto vom 21.02.2016).
© epd-bild / Steffen Schellhorn
Gewerkschafter fordern Stärkung der gesetzlichen Rente
NGG-Studie warnt vor Altersarmut in Niedersachsen und Bremen
Bremen, Hannover (epd). Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung. Andernfalls drohe Tausenden Altersarmut, auch wenn sie ein Leben lang gearbeitet haben, mahnten am Montag Gewerkschaftsvertreter in Bremen und Niedersachsen. Aus einer Renten-Analyse des hannoverschen Pestel-Institutes für die NGG geht hervor, dass 43 Prozent der Arbeitnehmer in Oldenburg und Osnabrück eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen würden, wenn sie weiter so arbeiten wie heute. In Bremen und Braunschweig liege die Quote bei 39 Prozent, im Kreis Göttingen bei 36 Prozent.

Das gelte, wenn die Arbeitnehmer nach immerhin 45 Berufsjahren in den Ruhestand gingen, hieß es. Die Zahl armutsgefährdeter Rentner in könnte laut Studie sogar noch deutlicher steigen, wenn die durchschnittliche Rente bis zum Jahr 2030 auf 43 Prozent des Einkommens sinken würde. Die Gewerkschafter sprachen von "alarmierenden Zahlen". Im November hatte der Bundestag ein Rentenpaket der Koalition verabschiedet, das unter anderem dafür sorgt, dass die Altersrenten bis zum Jahr 2025 genauso steigen wie die Löhne. Dafür wird das Rentenniveau bei 48 Prozent festgeschrieben.

"Das reicht nicht aus", kritisierte Bremer NGG-Geschäftsführer Dieter Nickel. Die Koalition müsse das Rentenniveau längerfristig stabilisieren und möglichst anheben. Zugleich sieht die NGG die Arbeitgeber in der Pflicht. "Klar ist, dass aus Mini-Löhnen keine Spitzen-Renten werden", führte Nickel aus. Gerade in Branchen wie dem Gastgewerbe und dem Bäckerhandwerk müssten viele Beschäftigte im Alter aufstocken. "Anstatt auf Aushilfen mit wenigen Wochenstunden zu setzen, sollten sie reguläre Vollzeitstellen schaffen - und zwar bezahlt nach Tarif", forderte der Gewerkschafter.

Gerade wer einen Teilzeit- oder Minijob habe, müsse sich auf einen "extrem mageren Rentenbescheid" einstellen. Frauen seien davon besonders häufig betroffen. Auch unter Vollzeitbeschäftigten habe nach Berechnungen des Pestel-Institutes aktuell rund jeder Vierte in Bremen, Braunschweig und Osnabrück nach 40 Arbeitsjahren einen Rentenanspruch von weniger als 1.000 Euro monatlich, warnte die Gewerkschaft. In Oldenburg und im Kreis Göttingen bleibe sogar jeder Dritte unter der Rentenschwelle von 1.000 Euro. Die Wissenschaftler aus Hannover haben laut NGG für die Untersuchung amtliche Statistiken ausgewertet. (3062/03.12.18)