Kirche
Die 61-jaehrige Angela von Schreiber-Stroppe bereitet sich am 24.02.17 am Fuße des Braunschweiger Magni-Kirchturms auf ihr Training vor.
© epd-NDS / epd-bild/Peter Sierigk
Fasten mit Laufschuhen oder Smartphone
In Niedersachsen laden Kirchen zu unterschiedlichsten Aktionen in der Fastenzeit ein
Braunschweig, Oldenburg (epd). Am Fuße des Braunschweiger Magni-Kirchturms schnürt sich Angela von Schreiber-Stroppe ihre knallig pinken Sportschuhe. Gleich startet sie zu einem ihrer Trainingsläufe. In ein paar Tagen ist sie dabei nicht mehr allein: Die 61-jährige lädt während der Fastenzeit wöchentlich unter dem Titel "Fasten mit Laufschuhen" zum gemeinsamen Joggen ein. In Niedersachsen bieten die Kirchen in der siebenwöchigen Fastenzeit ab Aschermittwoch (1. März) unterschiedlichste Aktionen an.

Die Braunschweiger Fasten-Laufgruppe richtet sich an Neulinge und trainierte Jogger, sagt Kirchenvorsteherin von Schreiber-Stroppe, die die Aktion bereits im dritten Jahr organisiert. Das Laufen habe einen meditativen Charakter. "Weil der Körper mit der Bewegung beschäftigt ist, hat der Geist Zeit, sich auf Neues einzustellen."

Etwas gemächlicher geht es bei der Fastenaktion per Smartphone zu, die die evangelische Gemeinde Obernkirchen im Schaumburger Land ins Leben gerufen hat. Über den Messaging-Dienst WhatsApp erhalten angemeldete Teilnehmer einen sogenannten Impuls, einen Gedanken zum Tag. Als Text, Bild, Podcast oder Musikstück landet dieser jeden Morgen auf dem Handy der Nutzer.

Die von Jugendlichen und Erwachsenen aus ganz Deutschland erstellten Beiträge werden unter dem Titel "Gedankenleuchten" von der Göttinger Theologie-Studentin Julia Schönbeck verschickt. "Fasten ist heute ein sehr weiter Begriff, es geht nicht mehr ausschließlich um Verzicht", sagt die 19-Jährige. Die Impulse sollen zum Nach- und Andersdenken ermutigen und Alltagsstrukturen durchbrechen.

Dass es beim Fasten nicht nur um den Verzicht beispielsweise von Nahrung gehen muss, meint auch Arnd Brummer, Geschäftsführer der evangelischen Fastenaktion "Sieben Wochen ohne". Schon der Schweizer Reformator Ulrich Zwingli (1484-1531) sei der Meinung gewesen, dass Askese und Nahrungsverzicht selbst keine guten Taten seien, die jemandem die Erlösung näherbrächten. Zwingli zufolge erinnert die 40-tätige Passionszeit an die Zeit, die Jesus in der Wüste verbrachte, um sich darüber klarzuwerden, ob er Gottes Auftrag folgen kann, sagt Brummer. "Demnach hat er wenig gegessen, weil es in der Wüste wenig gab, nicht weil er sich das vorgenommen hat."

Bei der Fastenaktion "Sieben Wochen Ohne", nutzen daher die bundesweit rund drei Millionen Teilnehmer die Zeit eher für einen Perspektivwechsel, betont Brummer. "Da kann es ganz nützlich sein, etwas im Alltag zu verändern." In diesem Jahr wirbt die Aktion unter dem Motto "Augenblick Mal! Sieben Wochen ohne Sofort" für mehr Entschleunigung.

Die tägliche Routine zu unterbrechen, dafür wirbt auch die Aktion der oldenburgischen Kirche. Sie steht ganz im Zeichen des Klimaschutzes. Unter dem biblischen Leitwort "So viel du brauchst..." laden die Oldenburger mit sechs weiteren evangelischen Kirchen dazu ein, beispielsweise achtsamer zu kochen und zu essen, klimaschonender unterwegs zu sein oder die eigenen Geldanlagen in den Blick zu nehmen. "Veränderung beginnt mit kleinen, machbaren Schritten - oder eben mit Fahrradfahren", betont Bischof Jan Janssen.

In Braunschweig beginnt dieser Wandel mit dem Joggen. "Dabei zu bleiben ist nicht so einfach", weiß von Schreiber-Stroppe, die regelmäßig an Halbmarathon-Läufen teilnimmt. Den Abschluss der Aktion bildet der traditionelle Magni-Passionslauf am 11. April. Dabei führt die etwa sieben Kilometer lange Strecke die Läufer zu einer Andacht in eine andere Kirche. Der mitlaufende Pastor wirft sich dann einfach den Talar über die Sportbekleidung, beschreibt von Schreiber-Stroppe die Szene mit einem Schmunzeln. "Nur die Laufschuhe gucken unten raus." (7070/27.02.17)

Von Charlotte Morgenthal (epd)