Ethik
Expertin: Kitas müssen im Alltag die Sprache der Kinder fördern
Osnabrück, Hannover (epd). Die Osnabrücker Bildungsexpertin Renate Zimmer hat die Pläne der niedersächsischen Landesregierung begrüßt, die Sprachförderung von Vorschulkindern von der Schule in die Kita zu verlegen. Dieser Schritt sei "längst überfällig", sagte Zimmer dem Evangelischen Pressedienst (epd). Allerdings dürfe dieser zusätzliche Aufgabenbereich nicht zu einer Überlastung der Erzieherinnen in den Kitas und zu einer Verschlechterung der Qualität führen.

Die Erziehungswissenschaftlerin plädierte dafür, die vom Land zur Verfügung gestellten rund 32 Millionen Euro flexibel zu nutzen, um speziell ausgebildete Fachkräfte einzustellen und das vorhandene Personal fortzubilden. Der Schwerpunkt solle dabei auf der Weiterbildung der Erzieherinnen liegen, da Sprachförderung in Zukunft alltagsintegriert stattfinden und somit also von jeder pädagogischen Fachkraft in der Kita geleistet werden solle. Es sei auch zu überlegen, ob durch die Bildung multiprofessioneller Teams, also die Einstellung von Sprachexperten, Logopäden und Motopäden, der Personalknappheit in den Kitas begegnet werden könne.

Bislang werden Kinder mit Sprachförderbedarf im letzten Jahr vor ihrer Einschulung für eine oder mehrere Stunden pro Woche aus der Kita in die Grundschule gebracht, wo sie von Lehrerinnen unterrichtet werden. Es sei schon lange erwiesen, dass diese Praxis wenig motivierend und dementsprechend wenig erfolgreich sei, sagte die Direktorin des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe).

Sprachförderung sei zudem nicht nur für Kinder aus Migrantenfamilien wichtig, betonte Zimmer: "Das allgegenwärtige Smartphone reduziert die Sprechanlässe in vielen Familien. Deshalb ist ein sprachförderlicher Alltag in den Kindergärten umso wichtiger." In diesem Sinne sei auch die ab Sommer geltende Beitragsfreiheit der Kindertagesstätten nur konsequent. "Wenn in den Kitas Bildungsarbeit geleistet wird, müssen diese genau wie die Schulen auch kostenlos sein."

Darüber hinaus regte die Expertin an, Erzieherinnen nicht mehr nur allein über fünf Jahre in einer Schule auszubilden. Eine kürzere und zudem vergütete Ausbildung mit höherem Praxisanteil würde den Beruf attraktiver machen. Langfristig sollte es aus ihrer Sicht einen Berufe-Mix in den Kitas geben mit unterschiedlich qualifiziertem Fachpersonal und etwa auch Verwaltungskräften, die Kita-Leitungen von bürokratischen Aufgaben entlasten.

Zimmer unterstützte damit eine Forderung der Kommunen. Der niedersächsische Städtetag hatte jüngst vorgeschlagen, eine dreijährige duale Erzieherinnen-Ausbildung einzuführen und dafür auch an Real- und Oberschülern zu werben. Damit könne der Fachkräftemangel kurzfristig behoben werden, ohne Abstriche bei der Qualität zu machen. (1051/11.06.18)

epd-Gespräch: Martina Schwager