Umwelt
Mit neuster Technik versucht die Waldbrand-Ueberwachungszentrale in Lueneburg, Brandgefahren in der momentan sehr trockenen Lueneburger Heide moeglichst fruehzeitig zu erkennen und zu bekaempfen.
© epd-NDS / epd-bild/Ueberwachungszentrale
"Die Lage ist extrem und saugefährlich"
Experten hoffen, dass sich die Heidebrand-Katastrophe von 1975 nicht wiederholt
Lüneburg (epd). Das sonnige Wetter, dass die meisten Menschen in Niedersachsen genießen, versetzt Feuerwehren und Waldbrand-Schützer zurzeit in höchste Alarmbereitschaft. "Ich freue mich überhaupt nicht", sagt Helmut Beuke von der Waldbrand-Überwachungszentrale der Landesforsten in Lüneburg: "Wir haben seit Wochen hohe Temperaturen, eine niedrige Luftfeuchtigkeit und starken Ostwind. Das ist extrem und saugefährlich." In der Lüneburger Heide gelte seit Mitte April flächendeckend und durchgehend die höchste Waldbrand-Warnstufe. Die Heide mit ihren sandigen Böden und den vorherrschenden Kiefernwäldern ist eine besonders gefährdete Region.

An eine ähnliche Katastrophe wie den Heidebrand im August 1975, bei dem sieben Menschen ums Leben kamen und 8.000 Hektar an Wald-, Moor- und Heideland vernichtet wurden, mag Beuke gar nicht denken: "Aber ganz ausschließen kann man das nicht." Zumal das Wetter damals ähnlich war. Und die Aussichten für die kommenden Tage sind alles andere als ermutigend. "Kein Niederschlag in Sicht. Wenn ich dann noch an die Bauernregel vom Siebenschläfertag denke, wonach sich diese stabile Hochdruckwetterlage sieben Wochen halten soll ..." Der Waldbrandexperte beendet den Satz lieber erst gar nicht.

Die sandigen Böden der Lüneburger Heide sind mittlerweile so ausgetrocknet, dass die Laubbäume bereits ihre Blätter verlieren. Die seit 2009 existierende Überwachungszentrale sei in diesem Jahr bereits an 64 Tagen besetzt gewesen und habe 240 Brände gemeldet, zählt Beuke auf. "Das hatten wir zuvor nicht einmal während eines gesamten Jahres. Hier brennen gerade jeden Tag Felder oder Äcker."

Die freiwilligen Feuerwehren hätten alle Brände bislang schnell wieder gelöscht. "Doch wenn der Wind wie im August 1975 plötzlich über Nacht dreht und kleine Brände extrem anfacht, könnte es wieder schwierig werden", fürchtet Beuke. Dirk Heindorff vom Landesfeuerwehrverband sieht noch weiteres, schwer einzuschätzendes Gefahrenpotential: Menschen könnten an mehreren Stellen gleichzeitig Brände legen.

Bei aller Alarmstimmung überwiegt bei beiden jedoch die Zuversicht, dass zumindest ein Ausmaß wie vor 43 Jahren verhindert werden könnte. "Alle Beteiligten sind heute viel besser aufgestellt und vorbereitet als in den 1970er Jahren", sagt Beuke. Mithilfe des Automatischen Waldbrand-Früherkennungssystems AWFS könnten selbst sogenannte "Entstehungsbrände", die noch im Anfangsstadium seien, schnell entdeckt und bekämpft werden. 20 Schwarz-Weiß-Kameras, die mit optischen Sensoren ausgestattet seien, überwachten die gesamten 10.000 Quadratkilometer Lüneburger Heide. Sobald die Sensoren Veränderungen in den Grautönen registrierten, schlage das System Alarm. Ein Mitarbeiter prüfe und informiere bei Bedarf die Einsatzleitstelle.

Heindorff verweist auf die Lehren, die alle aus der damaligen Katastrophe gezogen hätten. Die heutigen Tanklöschfahrzeuge hätten viel größere Wassertanks. Zusätzlich seien auf der gesamten Fläche Wasserbehälter in die Erde eingegraben und Brunnen gebohrt worden, damit überall genügend Löschwasser zur Verfügung stehe. Die Wege seien ausgebaut worden. 1975 habe zudem ein Kompetenzgerangel zwischen Kreisbehörden und Feuerwehr die Lage verschärft. "Heute ist klar: Die Feuerwehr hat die Einsatzleitung."

Auch sei damals der Ernst der Lage zu spät erkannt worden, sagt Heindorff. Am Anfang seien nur wenige Einsatzfahrzeuge zu den Bränden geschickt worden. "Heute schicken wir gleich das Maximum los." Zudem seien schon jetzt fast täglich Flugzeuge in der Luft. Zur Entdeckung der Brände seien sie nicht mehr notwendig. Aber aus der Luft könnten sie die Einsatzkräfte schnell an die Brandorte dirigieren, erläutert Heindorff, stellvertretender Celler Kreisbrandmeister. Brandschützer Beuke ergänzt: "Wir sind heute um Längen besser als 1975." (5088/05.07.18)

Von Martina Schwager (epd)