Ethik
Themenfoto: Menschen demonstrieren in Berlin fuer die Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer.
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Demonstrationen gegen das Sterben im Mittelmeer
Teilnehmer fordern in Osnabrück und Bremen sichere Fluchtwege und Solidarität mit privaten Seenotrettern
Osnabrück, Bremen (epd). Rund 2.600 Menschen haben am Wochenende nach Veranstalterangaben in Osnabrück und Bremen für sichere Fluchtwege nach Europa und Solidarität mit privaten Seenotrettern demonstriert. "Wir kämpfen für das Recht und die Pflicht, Leben zu retten", sagte der Caritasrats-Vorsitzende im Bistum Osnabrück, Gerrit Schulte, bei einer Kundgebung auf dem Theatervorplatz. Laut den Organisatoren kamen in Osnabrück etwa 600 und in Bremen 2.000 Menschen zusammen.

Flüchtlingshelfer, kirchliche Wohlfahrtsverbände und Gewerkschaften hatten sich dem internationalen Aktionsbündnis "Seebrücke" angeschlossen und zu der Demonstration aufgerufen. Wie anderorts auch trugen dabei viele Teilnehmer in Anlehnung an Rettungswesten orangefarbige Kleidung und hatten zudem orangene Luftballons bei sich, sagte die Sprecherin des Osnabrücker Bündnisses, Renate Heise.

Schulte betonte laut Redemanuskript, die Pflicht zur Rettung von Menschen in Seenot sei im Völkerrecht verankert. Entweder nehme sich der Staat dieser Aufgabe selber ausreichend an, oder er lasse nichtstaatliche Organisationen handeln. "Wer beide Wege blockiert, nimmt Leiden und Tod von Flüchtlingen sehenden Auges in Kauf."

Die prekäre Situation von Flüchtlingen verschärfe sich derzeit weiter. Rettungsschiffen werde das Anlegen in europäischen Häfen verweigert und private Seenotretter würden kriminalisiert, kritisierte er. Anstelle nationaler Egoismen brauche Europa eine faire Verantwortungsteilung.

Bereits am vergangenen Wochenende hatten Aktivisten in mehr als 40 deutschen Städten demonstriert. Weitere Aktionen sind für die kommenden Wochen geplant. In Osnabrück sollen Heise zufolge demnächst orangene Faltschiffe in Schaufenstern auf das Anliegen der Aktion aufmerksam machen. "Das ist ein Thema, das nicht verdrängt werden darf."

Das UN-Flüchtlingshilfswerk hatte zuletzt auf die wachsende Zahl von Toten im Mittelmeer aufmerksam gemacht. Obwohl immer weniger Migranten das Mittelmeer überquerten, steige die Zahl derer, die ertrinken. 2018 sind bereits mehr als 1.500 Menschen ums Leben gekommen, davon allein 850 im Juni und Juli. (2110/12.08.18)

epd lnb mas/mir/jön