Kirche
Ein Mitarbeiter der Glocken- und Kunstgiesserei Rincker in Sinn (Hessen) "stimmt" am 07.05.15 eine Kirchenglocke, in dem er sie an den verschiedenen Stellen innen abschleift und immer wieder deren Klang dabei zur Kontrolle misst.
© epd-bild/Thomas Lohnes
Acht neue Glocken für eine Dorfkirche
Melle, Kr. Osnabrück (epd). Ein mit acht Glocken außergewöhnlich großes Geläut macht sich die evangelische Martinikirche in Melle-Buer bei Osnabrück quasi selbst zum Geschenk. Von der Dorfkirche, deren schlanker hoher Turm bislang vier Glocken beherbergte, werden in Zukunft acht nagelneue Bronzeglocken erklingen: vier große anstelle der alten und zusätzlich vier kleine sogenannte Zimbelglocken, sagte Kirchenmusiker Matthias Breitenkamp am Donnerstag dem epd. Die Gemeinde mit 3.200 Mitgliedern hat dafür in den vergangenen zwei Jahren 170.000 Euro von rund 700 Einzelspendern gesammelt.

Um den Guss der Bronzeglocken live zu verfolgen, werden an diesem Freitag rund 80 Gemeindemitglieder zur Gießerei Rincker im hessischen Sinn fahren, erklärte Breitenkamp, der das Projekt leitet. Sie ist Europas älteste Glocken- und Kunstgießerei in Familienbesitz und eine von insgesamt vier in Deutschland. "Wir werden dabei sein, wenn die rund vier Tonnen Bronze geschmolzen und in die Erde gegossen werden."

Im Dezember werde eine ortsansässige Spedition die neuen liturgischen Musikinstrumente nach Buer holen. Zu Ostern im April nächsten Jahres werde die Gemeinde die Einweihung feiern, sagte Breitenkamp. Der Organist hatte das Projekt 2014 angestoßen. Die vier großen Glocken - die größte wiegt 1,3 Tonnen - ersetzen Glocken, die noch aus der Nachkriegszeit stammen. Sie mussten weichen, weil sie aus minderwertigen Ersatzstoffen gefertigt worden waren.

Für die vier kleinen zusätzlichen Zimbelglocken - die kleinste wiegt immerhin noch 55 Kilogramm - wurde eigens ein neuer Glockenstuhl unterhalb des alten gebaut. "Zusammen mit dem seltenen Zimbelgeläut ergeben sich nun vielfältige Klangkombinationen", betonte der Musiker.

Die neuen Glockentöne sollen einen "strahlenden E-Dur-Akkord" ergeben. Sie sind anders als die alten auf die Glocken der katholischen Kirche abgestimmt. "Somit können in Buer dann elf Glocken ökumenisch miteinander zum Lobe Gottes erklingen." Diese Üppigkeit füge sich im Übrigen gut ein in die Tradition des "Glockendorfes", meinte Breitenkamp: In Buer existiere dank der dort ansässigen Turmuhrenfabrik Korfhage nämlich noch ein weltliches Glockenspiel mit weiteren 35 Glocken. Auch die acht Ortsteile hätten jeweils eigene Glocken. (8210/18.10.18)