Soziales
Wohlfahrtsliga vermisst Wohnungsangebote für Frauen und Alte
Wiesbaden (epd). Die Zahl junger, wohnungsloser Menschen unter 28 Jahren ist weiterhin hoch. Das geht aus der sechsten Stichtagserhebung zur Wohnungslosigkeit in Hessen hervor, die die Liga der Freien Wohlfahrtspflege am 27. September in Wiesbaden veröffentlicht hat. Danach haben 3.901 Personen am Stichtag 22. Februar 2018 insgesamt 173 Dienste und Einrichtungen aufgesucht. Davon waren 22 Prozent wohnungslose Frauen. Die Dunkelziffer sei jedoch wesentlich höher, da Frauen überwiegend in verdeckter Wohnungslosigkeit ausharrten, so die Liga. Es fehle an spezialisierten Angeboten und Schutzräumen, um Frauen beim Ausstieg aus ihrer prekären Situation zu unterstützen.

Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen erhebt alle zwei Jahre in Diensten und Einrichtungen die Situation der wohnungslosen Menschen. Ihren Angaben zufolge bleibt auch die Lage von jungen Wohnungslosen unter 28 Jahren problematisch. 15 Prozent der Hilfesuchenden gehörten zu dieser Gruppe. Oft sei die Jugendhilfe nicht bereit, auch über 18-Jährigen Unterstützung zu gewähren.

Ein weiteres Ergebnis der Stichprobe ist die Zunahme des Anteils der über 50-jährigen Menschen unter den Wohnungslosen auf mittlerweile 38 Prozent. Dieser Anstieg lege nahe, dass sich bei dieser Gruppe die Wohnungslosigkeit verfestigt hat, urteilt die Liga: "Wer einmal aus der Wohnung geflogen ist, hat kaum Chancen, wieder eine Wohnung zu bekommen." Die aktuelle Fehlentwicklung auf dem Wohnungsmarkt fordere ihre Opfer.

Die Liga fordert die künftige Hessische Landesregierung auf, ein Aktionsprogramm "Wohnungslosigkeit überwinden" aufzulegen. Es solle Maßnahmen zum Bau bezahlbarer Wohnungen, zur Verhinderung von Wohnungsverlusten und zur Überwindung von Wohnungslosigkeit enthalten, erklärte Stefan Gillich, Vorsitzender des Liga-Arbeitskreises Armut, Migration und soziale Integration. Dafür sollten in den kommenden vier Jahren mindestens 17 Millionen Euro investiert werden. "Darüber hinaus benötigen wir in Hessen eine integrierte Wohnungsnotfallstatistik, um den Umfang und die Lebenssituation wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit bedrohter Menschen zu erfassen" so Gillich weitere. Erforderlich sei zudem ein Sonderprogramm "Von der Straße in die Wohnung".

Internet: www.liga-hessen.de

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