Soziales
"Tafel"-Chef: Kirchen müssen beim Fundraising transparent sein
Frankfurt a.M. (epd). Die Kirchen müssen nach Ansicht des "Tafel"-Chefs Jochen Brühl ihre Fundraising-Einnahmen transparent machen. Gemeinden, Dekanate und Einrichtungen sollten zum Beispiel entsprechende Bilanzen im Internet veröffentlichen, sagte Brühl am 7. Juni in Frankfurt am Main. Das trage zur Glaubwürdigkeit und zum Vertrauen bei. Brühl war Hauptredner auf dem 16. Fundraising-Forum der evangelischen Landeskirchen in Hessen, ihrer Diakonie und der Fundraising-Akademie in Frankfurt. Mehr als 100 Vertreterinnen und Vertreter von Kirchen und Wohlfahrtsverbänden nahmen daran teil.

Gemeinden müssten sich zudem bewusst sein, dass ein mögliches Fehlverhalten auf "die" evangelische Kirche zurückgeführt werde. Als Beispiel nannte der Vorsitzende des bundesweiten Dachverbandes die Debatte um die Essener Tafel im Februar dieses Jahres. Die Tafel war nach ihrer Ankündigung, zeitweilig nur Bedürftige mit deutschem Pass als Neukunden aufzunehmen, heftig kritisiert worden.

Der Konflikt habe sich sofort auf das Spendenverhalten ausgewirkt, sagte Brühl. Er habe viele Spender telefonisch kontaktiert, um das persönliche Gespräch zu suchen. Diese "Beziehungsarbeit" sei eine der wichtigsten Kriterien für erfolgreiches Fundraising. Für Konfliktsituationen sei es außerdem wichtig, vorab ein Krisenmanagement zu entwickeln.

Besonders als Kirche sei Vorsicht geboten, mit welchen Unternehmen man eine Spenderbeziehung eingeht, erklärte Brühl weiter. Die christlich-ethischen Standards müssten an erster Stelle stehen. Die Gemeinden sollten sich zudem nicht demütig gegenüber dem Spender-Unternehmen verhalten, sondern auch ihren Einfluss nutzen. So arbeiteten die Tafeln nach dem Motto: "Ihr könnt nicht für die Tafel spenden wollen, aber eure Mitarbeiter unter dem Mindestlohn bezahlen."

Als erfolgreiches Beispiel einer Spendenkampagne nannte Brühl das Pfandspenden-Projekt eines Lebensmittel-Discounters. Seit 2008 können in den Läden des Discounters die Kunden ihre Pfandflaschen im Automaten entsorgen und statt eines Bons auf einen Spendenknopf drücken. Dieses Geld geht dann an die örtlichen Tafeln. Durch dieses Projekt seien in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 15 Millionen Euro zusammengekommen, sagte Brühl.

Internet: www.fundraising-forum-frankfurt.de

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