Politik
Schulunterricht zusammen mit den Eltern
Wiesbaden (epd). Ein Modell mit gemeinsamem Schulunterricht von Kindern und ihren Eltern einmal in der Woche für fünf Stunden soll künftig in ganz Hessen angeboten werden. Das teilte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am 1. Oktober in Wiesbaden mit. Derzeit gibt es diese sogenannten Familienklassen an Grundschulen neunmal im Lahn-Dill-Kreis und einmal in Hanau. Wegen der dort gemachten guten Erfahrungen will Lorz das Modell ab dem nächsten Schuljahr 2019/20 allen interessierten Schulen des Landes anbieten.

Das Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler mit Schwierigkeiten im Schulalltag. Dies gilt vor allem bei mangelnder Aufmerksamkeit oder wenn sie sich nicht an Regeln halten können. Da die Ursachen häufig auch im familiären Bereich liegen, sprechen die Klassenlehrer in diesen Fällen die Eltern an und laden sie zur Teilnahme an den Familienklassen ein. Die Schüler nehmen an vier Tagen in der Woche am normalen Regelunterricht ihrer Klasse teil. Am fünften Tag besuchen sie gemeinsam mit Vater oder Mutter oder im Idealfall mit beiden zusammen die separate sogenannte Familienklasse vormittags für fünf Stunden.

Dabei nimmt neben einer Lehrkraft oder einem schulischen Sozialpädagogen auch ein sogenannter Multifamilientrainer teil, die in dem seit 2010 laufenden Modellversuch im Lahn-Dill-Kreis vom Kooperationspartner Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Wetzlar gestellt werden. Dabei werden sowohl reguläre Unterrichtsinhalte vermittelt als auch gezielt erzieherische Ziele verfolgt. Dem Kind werden Wege zur Mitarbeit im Unterricht aufgezeigt, und das Sozialverhalten in der Klasse wird ebenfalls eingeübt. Die Mitarbeit der Eltern trägt vielfach dazu bei, dass die Schüler auch das Üben zu Hause für den Unterricht akzeptieren. Aber auch der familiäre Umgang miteinander wird vielfach verbessert, wie der Schuldezernent des Lahn-Dill-Kreises, Heinz Schreiber, und Christian Scharfe vom Albert-Schweitzer-Kinderdorf aus der Praxis berichteten.

Nach ihren Angaben haben mittlerweile 292 Grundschüler an diesen Familienklassen teilgenommen, die in der Regel auf sechs Monate angelegt sind. Manchmal wechselten sich Vater und Mutter im Zwei-Wochen-Turnus bei der Unterrichtsbegleitung ab, in Einzelfällen komme auch mal die Großmutter mit. Selbst berufstätige Väter oder Mütter seien regelmäßig dabei und nähmen sich meist jeweils einen freien oder Urlaubstag dafür. Die Kosten belaufen sich pro Familienklasse Schreiber zufolge auf rund 16.500 Euro, wovon ein Großteil von Sponsoren übernommen werde. Neuerdings steuere aber auch der Kreis jeweils 8.000 bis 10.000 Euro bei. Lorz gab bekannt, dass das Land künftig 5.000 Euro pro Familienklasse für Personalkosten übernehmen wolle und weitere 5.000 Euro Anschubfinanzierung.

Die Landesregierung sei bereits im Gespräch mit den kommunalen Spitzenverbänden und Schulträgern wegen der Ausweitung des Modells. An dem klassen- und manchmal auch schulübergreifenden Unterricht mit jeweils sechs bis acht Familien sollen aber nur wirklich interessierte Schulen teilnehmen, in denen das damit verbundene Konzept greife. Die Teilnahme des einzelnen Schülers werde in der Regel erst beendet, wenn die zu Beginn im Einzelfall definierten Ziele auch erreicht seien. Eine aktive Teilnahme am Unterricht, fruchtbares Sozialverhalten und oft auch bessere Noten seien regelmäßig die Folge.

Internet: kultusministerium.hessen.de

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