Kirche
Kirchenpräsident Jung bittet ehemalige Heimkinder um Verzeihung
Darmstadt (epd). Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat eine Dokumentation über die Situation von Heimkindern in der Nachkriegszeit vorgelegt. Auf 72 Seiten arbeite das Buch unter anderem auf, wo es im Einzugsbereich Hessen-Nassaus Heime mit Beziehungen zur evangelischen Kirche gab, teilte die EKHN am 11. Dezember in Darmstadt mit. In dem Band gehe es auch um den oft menschenverachtenden Umgang mit den Kindern und Jugendlichen und die systematische Abschottung der Heime von der Außenwelt.

Die EKHN hatte 2012 als Folge der Entschließung des Deutschen Bundestags vom Jahr zuvor die Aufarbeitung der Heimkinderschicksale begonnen. Neben Gesprächen mit einzelnen Betroffenen beauftragte die Kirche eine Historikerin, den Bestand der Kinderheime auf dem Gebiet der EKHN zwischen 1945 und 1975 zu erfassen. Darüber hinaus entstanden ein Dokumentarfilm und eine Wanderausstellung.

Im Vorwort der Dokumentation bittet der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung ehemalige Heimkinder wegen des ihnen vielfach zugefügten Leids um Verzeihung. Er dankte zugleich dafür, dass sich viele Betroffene geöffnet und ihr jahrelanges Schweigen gebrochen hätten. So habe er Menschen kennengelernt, deren "Kindheit entsetzlich" war. Ihnen sei Vertrauen geraubt und Chancen zur Entwicklung genommen worden. "Wir wollen daraus lernen", sagte Jung.

Nach den Worten der Leiterin des Aufarbeitungsprojekts, Petra Knötzele, haben vor allem die Zeitzeugengespräche "auf nachdrückliche Weise vor Augen geführt, welche Konsequenzen das Außerachtlassen von Wertvorstellungen, fehlende Sensibilität im Umgang mit Schutzbefohlenen, keine Achtsamkeit für Grenzen und Grenzverletzungen, fehlende Fachlichkeit, keine ausreichende personelle Ausstattung und Begleitung haben". Kinder und Jugendliche, die kirchliche und diakonische Angebote nutzen, sollten auf einen "Schutzraum" treffen, in dem sie Förderung und Anerkennung erfahren, sagte die Juristin.

«Kinder in Heimen von 1945 bis 1975», Hg. im Auftrag der Kirchenleitung der EKHN von Anette Neff mit Petra Knötzele und Peter Röder, Justus-von-Liebig-Verlag, Darmstadt 2018, 72 Seiten, 14,80 Euro. (ISBN 978-3-87390-414-9). Der Erlös von Verkäufen aus dem Buchhandel kommt der Heimkinderarbeit zugute.

Kostenfreie Bestellungen bei der EKHN, E-Mail: info@ekhn.de, Tel.: 06151/405- 287

Internet:
Mehr Informationen unter https://unsere.ekhn.de/themen/heimkinder.html

epd lmw ds koc