Kirche
Kirche will ihren Mitgliedern Mut machen
EKHN verschickt erneut eine Million Briefe
Frankfurt a.M., Darmstadt (epd). Knapp 1,6 Millionen Mitglieder der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) seit dem 17. April wieder Post von ihrer Kirche: Unter dem biblischen Motto "Fürchte dich nicht" hat die EKHN einen Brief von Kirchenpräsident Volker Jung mit Lebensberichten von sechs Menschen und weiteren Texten an eine Million Haushalte verschickt. Begleitet wird die sogenannte Impulspost von Fahnen und Wandbannern an Kirchengebäuden, der Homepage "www.Mut-und-Angst.de" und weiteren Materialien.

Die Aktion sei geplant worden als Antwort auf Angst vor Populismus, Extremismus und der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten, sagte die Pröpstin für Nord-Nassau, Annegret Puttkammer. Die Impulspost rede nicht theoretisch über Angst, sondern konkrete Menschen erzählten von ihrer Angst und wie sie sie überwinden. Auch erzählten sie, wie der Glaube ihnen Mut macht.

"Angst ist überlebenswichtig", sagte Kirchenpräsident Volker Jung. "Aber wenn sie übermächtig wird, nimmt sie die Lebensfreude." In der politischen Diskussion würden heute Ängste stärker geschürt als früher. So sei in der Flüchtlingskrise an die Urangst vor dem Fremden appelliert worden. Probleme müssten benannt werden, aber Christen dürften keine Ängste schüren, sagte Jung. Aus christlicher Sicht müssten Menschen "einen klaren Blick behalten". Die Botschaft "Fürchtet euch nicht" sei ein Leitmotiv der Bibel. Der Glaube verweise auf Gott, "der größer ist als alles, was uns Angst macht".

Als eine Zeugin der Aktion berichtete Martina Franz aus Haiger über ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe und über Anfeindungen gegen Helfer. Sie arbeite mit beim "Kleider-Treff" in Dillenburg, der Flüchtlinge mit Kleidern und Möbeln unterstütze sowie einen Müttertreff und Hausaufgabenbetreuung biete. Bei einer Veranstaltung in der Stadthalle 2016 zur Flüchtlings-Unterbringung habe ein Dutzend Teilnehmer ein Transparent hochgehalten mit den Worten "Wir wollen euch nicht", und äußerlich kenntliche Rechtsradikale hätten sich versammelt. Sie habe Angst, dass rechtsradikale Gruppen erstarkten, bringe aber den Mut auf, gemeinsam mit anderen für Humanität einzutreten, sagte Franz.

Die Nachfrage von Kirchengemeinden nach Materialien zur Aktion sei überdurchschnittlich hoch, erläuterte die Geschäftsführerin des Medienhauses der Landeskirche, Birgit Arndt. Mehr als 500 Gemeinden und Einrichtungen hätten rund 650 Fahnen und Großbanner bestellt. Die Aktion koste 675.000 Euro.

Seit 2012 versendet die Landeskirche in der Regel zweimal im Jahr einen Brief mit einem besonderen Glaubens-Anstoß an alle Mitglieder. Sie will mit der Impulspost Themen, die für das Zusammenleben von Menschen wichtig sind, mit einer besonderen christlichen Perspektive zu ihren Mitgliedern bringen. Im vergangenen Herbst war es zum Reformationsjubiläum das Motto "Gott neu entdecken". Die nächste Aktion im kommenden Herbst wird sich mit den Sonn- und Feiertagen beschäftigen.

Internet: www.Mut-und-Angst.de, www.ekhn.de

epd lmw by wow