Soziales
Anlaufstelle für junge Obdachlose in Frankfurt eröffnet
Frankfurt a.M. (epd). Die Hilfsorganisation "Off Road Kids" hat eine Anlaufstelle für obdachlose Jugendliche in Frankfurt am Main eröffnet. "Wir wollen dort vertreten sein, wo die meisten jungen Menschen unsere Hilfe brauchen", sagte der Gründer und Vorstandsvorsitzender, Markus Seidel am 20. Dezember bei der Eröffnung. Nach Berlin, Dortmund, Hamburg und Köln kümmern sich künftig vier Sozialarbeiter am Standort nahe der Konstablerwache um junge, teilweise minderjährige Obdachlose.

Über das Online-Portal "sofahopper.de" konnten die Mitarbeiter ermitteln, dass es im Rhein-Main-Gebiet einen überdurchschnittlich hohen Beratungsbedarf gibt, erklärte Seidel. Ein großes Problem sei der angespannte Wohnungsmarkt in der Ballungsregion. Die meisten Kinder und Jugendliche wurden nach Seidels Worten zu Hause von den Eltern oder Stiefeltern geschlagen. Viele würden sich mit sogenanntem "Sofa Hopping" durchschlagen. Dabei schlafen die jungen Erwachsenen Woche für Woche oder Tag für Tag auf fremden Sofas. Gerade Frauen gingen dafür oftmals fragwürdige sexuelle Beziehungen ein. Fast alle Jugendlichen hätten schlechte Erfahrungen mit Ämtern und Sozialarbeitern gemacht.

Einigen Klienten konnten die neuen Frankfurter Kollegen bereits über die Online-Beratung helfen, berichtete Dvora Leguy, Leiterin der Station. Die Mitarbeiter gingen zwar auch auf die Straße, müssten aber heute vermehrt im Internet präsent sein, erklärte die Sozialarbeiterin. Durch den "Sofa Hopping"-Trend sei die Obdachlosigkeit bei Jugendlichen verdeckter geworden.

Das Angebot richte sich vor allem an junge Menschen, die noch nicht völlig auf der Straße sitzen. Aus diesem Grund habe sich Off Road Kids für den Standort im Zentrum entschieden und nicht für das Bahnhofsviertel, das als Knotenpunkt der Szene gilt, ergänzte Seidel. "Wir haben hier eine sehr nüchterne Büroatmosphäre", sagte der Stiftungsvorstand weiter. Im Gegensatz zu vielen anderen Einrichtungen gebe es in der neuen Beratungsstelle kein Essen. "Wir wollen das Leben auf der Straße nicht noch bequemer machen", betonte der Journalist.

Am neuen Standort Frankfurt wolle die Stiftung bereits erprobte Konzepte umsetzen. Dazu zähle das Gesundheits- und Schwangerschaftspräventionsprogramm "Streetwork+", das obdachlose Mädchen und junge Frauen besser vor ungewollter Schwangerschaft schützen soll, sowie das Bildungs- und Integrationsprogramm "Prejob". Dabei können Jugendliche ohne Schulabschluss und Ausbildung ihren Haupt- und Realschulabschluss nachholen. Off Road Kids ist nach Aussage von Seidel die einzige Anlaufstelle für obdachlose Jugendliche, die überregional arbeitet.

Die Hilfsorganisation mit Sitz in Bad Dürrheim am Schwarzwald finanziert sich nach eigenen Angaben allein aus Spenden. Seit 1993 seien in ihren vier Streetwork-Stationen rund 5.000 Straßenkinder und junge Obdachlose unterstützt worden. Schätzungen zufolge leben derzeit bundesweit rund 37.000 junge Leute bis 27 Jahren, darunter etwa 7.000 Minderjährige, auf der Straße.

Internet: www.offroadkids.de, www.sofahopper.de

epd lmw dob wow