Medien
Plattformen regulieren und den Qualitätsjournalismus stärken
Politischer Club der Evangelischen Akademie Tutzing zu "Medien im Wandel -Medien in der Krise?"
Tutzing (epd). Trotz Zeitungskrise, dem Vorwurf der Lügenpresse und Fake News beurteilen Medienpolitiker, Verleger und Chefredakteure die Zukunft des Qualitätsjournalismus verhalten optimistisch. Wie auf der Wochenend-Tagung des "Politischen Clubs" der Evangelischen Akademie Tutzing zum Thema "Medien im Wandel -Medien in der Krise" als Fazit deutlich geworden ist, seien dafür die Voraussetzungen eine Regulierung des Internets, insbesondere der großen Social-Media-Plattformen, und eine Rückbesinnung auf journalistische Standards.

Bei einer Podiumsdiskussion am Sonntag regte CSU-Generalsekretär Markus Blume eine umfassende und starke Medienordnung an, die auch für die großen Plattformen gelten müsse. Denn diese Plattformen, wie etwa Facebook, gestalteten "hochgradig die Öffentlichkeit mit und müssen es sich deshalb gefallen lassen" sagte Markus Blume. Eine derartige Ordnung müsse sicherstellen, dass eine Wettbewerbskontrolle greife, die Vielfalt des Angebots und die Auffindbarkeit relevanter Inhalte gewährleistet sei, sagte Blume. Außerdem müsse die Wirkungsweise von Algorithmen, welche über die Gewichtung von Inhalten im Internet entscheiden, zumindest gegenüber Aufsichtsbehörden offengelegt werden.

Wie die rheinland-pfälzische Medienstaatssekretärin Heike Raab (SPD), die die Medienpolitik der Bundsländer koordiniert, sagte, müsse eine gute Medienpolitik Zugang gewährleisten, für Vielfalt sorgen, Gefahr des Missbrauchs minimieren und die Unabhängigkeit der Medien wahren. Der nächste Rundfunkstaatsvertrag sei in Planung und solle auch die neuen Medien, insbesondere die Social-Media-Plattformen, berücksichtigen.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey machte sogar den Vorschlag, die Plattformen ganz zu zerschlagen. Sie seien Monopole, "die weder dem Pluralismus dienen noch den Grundlagen eines wettbewerbs-orientierten Kapitalismus entsprechen". Der Journalismus müsse akzeptieren, dass er durch diese Plattformen seine ursprüngliche Rolle verloren habe, Informationen zu liefern und als eine Art "Torwächter" (Gate-Keeper) zu gewährleisten, dass keine menschenunwürdigen Inhalte und Darstellungen verbreitet werden. Es gebe momentan jedoch keine Alternative zu den sozialen Plattformen, weil nur diese einen Großteil der jüngeren Menschen erreichten.

Nach Überzeugung von Tabea Rößner, Sprecherin für Netzpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, werde die Bedeutung der Öffentlich-Rechtlichen Sender in Zukunft zunehmen. Angesichts der Informationsflut und vieler Falschmeldungen im Internet falle es dem Nutzer immer schwerer, relevante Inhalte herauszufiltern. Die Öffentlich-Rechtlichen böten hingegen mit ihrem ausgewogenen Qualitätsjournalismus die Grundlage für den öffentlichen Diskurs.

An die Adresse seiner journalistischen Kollegen richtete Georg Mascolo den Appell, statt auf Hektik und Aufgeregtheit stärker auf Entschleunigung zu setzen. Der Journalismus sei keine Jagd, sondern müsse ein "Ort der Mäßigung und des zweiten Gedankens ein", sagte der Leiter des Rechercheverbundes von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung". Beschleunigung sei in vielen Teilen der Gesellschaft ein Fortschritt, die "Beschleunigung des Urteils" gehöre aber nicht dazu. Journalismus habe nämlich vor allem bei "Verdachtsberichterstattung" eine große Verantwortung, weil er den Ruf und die Karriere von Personen zerstören könne. Bei aller Notwendigkeit zur Vereinfachung dürfe der Journalismus die Substanz nicht verfälschen. Deshalb bräuchten die Redakteure genügend Freiraum für Recherchen.

Auch in Zukunft ist die nach Überzeugung der Verlegerin der "Augsburger Allgemeinen", Alexandra Holland, kein Auslaufmodell. Denn die Regionalzeitung sei für die Leser ein "Marktplatz", auf dem sie finden, was sie in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft beschäftigt. Die Zeitung müsse deswegen noch näher ran an die Menschen, besser verstehen, was sie wirklich bewegt, und mit ihnen in partnerschaftlichen Dialog treten.

Wie der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, als Leiter des politischen Clubs ankündigte, werde sich die Herbsttagung im November mit dem Thema "Streit um Heimat" befassen. (00/2003/17.06.2018)

epd lbm as dsq