Soziales
Hilfswerk-Chef fordert Gleichberechtigung bei Sozialleistungen
München (epd). Der Geschäftsführer des Evangelischen Hilfswerks in München, Gordon Bürk, sieht große politische Versäumnisse bei der Versorgung innereuropäischer Migranten. "Es ist eine Zweiklassengesellschaft entstanden", sagte er am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Wer es sich leisten könne, der könne sich frei bewegen. Wer aus der Armut etwa in Südosteuropa komme, der rutsche ab. Bürk forderte ein neues europäisches Fürsorgeabkommen und Gleichberechtigung bei sozialstaatlichen Leistungen in der Europäischen Union.

Der Münchner Stadtrat hatte am Donnerstag (22.11.) beschlossen, den Kälteschutz ab 2019 auf die Sommermonate auszuweiten. Nach München kommen immer mehr Arbeitszuwanderer aus Bulgarien und Rumänien, die - bei einer Aufenthaltsdauer von weniger als fünf Jahren - keinen Anspruch auf Sozialleistungen und auf Unterbringung im regulären Wohnungslosensystem haben. Bürk schätzt, dass rund 1.000 Menschen tatsächlich in München auf der Straße leben. Von November bis April können sie seit 2012 im Kälteschutz übernachten, den das Evangelische Hilfswerk im Auftrag der Stadt organisatorisch betreut. Dieser Schutz soll nun auf die Monate Mai bis Oktober ausgeweitet werden.

Ziel sei, Leib und Leben der Menschen zu schützen, sagte Bürk - nicht nur vor der Kälte, sondern auch vor Gewalt und sexuellen Übergriffen. Der Übernachtungsschutz wird begleitet von einer intensiven Betreuung durch Sozialarbeiter, die mit den obdachlosen Menschen gemeinsam eine Perspektive für ihr Leben entwickeln. (01/4099/22.11.2018)

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epd-Gespräch: Christine Ulrich