Kirche
Firmengründer beklagt Unbarmherzigkeit der Gesellschaft
Bedford-Strohm betont bei Nürnberger christlichem Kongress Wertschätzung für Unternehmer
Nürnberg (epd). Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat Vorwürfe zurückgewiesen, die evangelische Kirche würde christlichen Unternehmern zu wenig Orientierung geben. Das seien Bilder von vor zehn oder 20 Jahren, sagte Bedford-Strohm bei einer Podiumsdiskussion beim Kongress christlicher Unternehmer in Nürnberg. Die evangelische Kirche gehe heute wertschätzend mit Unternehmern um. "Es gibt Orte, an denen wir uns austauschen". Es würden sich in den Landeskirchen immer mehr christliche Unternehmerkreise gründen.

Zuvor hatte der Vorstandsvorsitzende der WMP-Group, Michael Inacker, der Kirche eine "Schwarz-Weiß-Ethik" vorgeworfen, die die Grauzonen, in denen sich Unternehmer befänden, nicht abbildeten. Er bezeichnete die evangelische Kirche außerdem als "langweilig".

Den Konflikt zwischen zwei Werten schilderte der EKD-Ratsvorsitzende anhand seiner Haltung zu Waffenlieferungen an die kurdischen Peschmerga-Kämpfer im Nordirak. Er sei in dieser Frage zerrissen, "aber wer immer Gewalt kritisiert, steht auf einem hohen moralischen Podest", sagte er.

Der Unternehmer Friedhelm Loh, früherer Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Industrie (BDI), berichtete, Manager und Firmenchefs würden sich immer wieder auf Gradwanderungen befinden. Es gebe Bereiche, in denen die Grenze "zwischen Korruption und Nichtkorruption sehr eng ist". Er bedauerte aber, dass sich Unternehmer nach einem Fehler einer "ungnädigen Gesellschaft" gegenüber sähen, die berufliche Verfehlungen öffentlich in Haft nehme. Christen müssten eine Chance haben, aus den Folgen ihrer Fehler wieder herauszukommen, sagte Loh.

Dagegen sagte der Kongressvorsitzende Horst Marquardt, er stelle fest, dass das Kongress-Motto "Mit Werten in Führung gehen" weiter aktuell sei. Er sehe einen negativen Umbruch: "Ich frage mich, warum sich so viele Leute korrumpieren lassen". Marquardt steht dem Kongress in diesem Jahr zum letzten Mal vor.

Der Volkswirt und Historiker Michael Hüther hatte in seinem Eröffnungsvortrag die Bedeutung der "wertegeleiteten Interessengemeinschaft" der EU unterstrichen. Er warnte Unternehmer davor, Vergleiche mit der chinesischen Wirtschaft zu ziehen. Die sei auf einer Zentralwirtschaft und nicht auf den Werten einer Demokratie aufgebaut. "Demokratie braucht Zeit", sagte Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (Köln).

Am Rande des Kongresses hatte der EKD-Ratsvorsitzende den neuen Schmuckschuber für die Lutherbibel 2017 vorgestellt, den er editiert hat. Den Schuber ziert ein Bild des Coburger Künstlers Gerd Kanz in orangen und gelben Farbtönen und das Bischofsmotto von Heinrich Bedford-Strohm "Der Herr ist der Geist: Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit" (2. Korintherbrief Vers 17). (00/0576/23.02.2017)

epd lbm jo as