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EKD-Ratsvorsitzender fordert Einhegung sozialer Netzwerke
München, Tübingen (epd). Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat die Macht sozialer Netzwerke kritisiert. "Bis heute gibt es kein wirkungsvolles international abgestimmtes Verfahren, um diese außergewöhnliche Konzentration von Macht zu regulieren", sagte Bedford-Strohm in der diesjährigen Tübinger Weltethos-Rede. Dabei beeinflusse zum Beispiel jede Veränderung des Facebook-Algorithmus das Kommunikationsverhalten von Milliarden Menschen.

Es sei bemerkenswert, dass die Gesetzmäßigkeiten eines neuen öffentlichen Raums keiner durchgängigen demokratischen Kontrolle unterliegen, erläuterte Bedford-Strohm. "Warum sind Straßen und Schienen Gegenstand öffentlicher Daseinsvorsorge, die digitale Angebotsstruktur des Netzes, auf der Menschen täglich mehr Zeit als in Autos und Zügen verbringen, aber nicht?", fragte der Bischof laut Manuskript.

Er sprach sich dafür aus, insbesondere den transatlantischen Austausch von Wissenschaft und Zivilgesellschaft zu ethischen Fragestellungen zu intensivieren. "Der Horizont für die Bewältigung der Herausforderungen muss ein globaler sein", erklärte der Ratsvorsitzende in seiner Rede, die den Titel "Verheißung oder Verhängnis? Globale ethische Herausforderungen der Digitalisierung" trug.

Die Weltethos-Reden werden seit dem Jahr 2000 gemeinsam von der Stiftung Weltethos und der Universität Tübingen organisiert. Die Frage nach einem "Weltethos" hatte 1990 Professor Hans Küng gestellt. Er hat aufgezeigt, dass es zwischen den großen Religionen und humanistischen Traditionen einen Grundkonsens an verbindenden Werten, Maßstäben und Grundhaltungen gibt.

Zu den Weltethos-Rednern gehörten unter anderem Kofi Anan (2003), Horst Köhler (2004), Helmut Schmidt (2007), Desmond Tutu (2009), Paul Kirchhof (2014) und der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (2017).