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Donatello: David
Werk des Renaissance-Bildhauers Donatello in Berliner Gemäldegalerie
Berlin (epd).

Ein flaches Marmorrelief zeigt Maria, die ihr Kind zärtlich an sich drückt. Ihr Blick ist melancholisch, als ahne sie dessen frühen Tod. Als „Mona Lisa“ des Berliner Bodemuseums bezeichnet Kurator Neville Rowley die etwa um 1422 entstandene Pazzi-Madonna des italienischen Renaissancekünstlers Donatello (um 1386-1466). Das Bildnis beeindruckt durch seine subtile Marmorbearbeitung und vermittelt durch die Rahmung der Figuren mit einer angedeuteten Nische einen neuartigen Raumeindruck.

Das Relief zählt zu den Höhepunkten der Sonderausstellung „Donatello. Erfinder der Renaissance“, die von Freitag an in der Wandelhalle der Berliner Gemäldegalerie am Kulturforum gezeigt wird. Damit würdigen die Staatlichen Museen zu Berlin den Meister der Skulptur und Erneuerer der Kunst mit einer Retrospektive. Sie entstand in Kooperation dreier Museen mit den weltweit größten Beständen von Werken Donatellos, den Musei del Bargello in Florenz, dem Bodemuseum sowie dem Victoria & Albert Museum in London. Rund 90 Arbeiten belegen in sieben Kapiteln, von den Anfängen bis zum berührenden Pathos des Alterswerks, die Kreativität und Innovationskraft des Florentiners über mehr als 60 Jahre.

„Effekt auf Publikum war ihm wichtig“

Donatello prägte nicht als kein Maler, sondern als Bildhauer die Erneuerungsbewegung der Künste um 1500. Mit 17 Jahren begann er in seiner Heimatstadt Florenz in einer Goldschmiedewerkstatt zu arbeiten. Wenige Jahre später machte er sich als Marmorbildhauer selbstständig. Neben Stein und Bronze verwendete er - in Anlehnung an die Antike - auch Terrakotta und Stuck. Darüber hinaus entwickelte er innovative Techniken der Marmorbearbeitung und erfand neue ästhetische Ausdrucksmittel.

Zu den frühesten Werken der Schau gehört die Mantel-Madonna aus Terrakotta (um 1415), ein Flachrelief, das durch seine Einbeziehung unterschiedlicher Perspektiven überrascht. Schon diese Arbeit beweise, dass Donatello Kunstwerke „für das Publikum und nicht für Gott“ schaffen wollte, sagt Kurator Rowley: „Die Perfektion war ihm nicht wichtig, sondern der Effekt auf das Publikum, das sein Werk sah.“

In der bis zum 8. Januar laufenden Sonderausstellung begegnen die Besucher den Kunstwerken quasi auf Augenhöhe und aus ungewöhnlicher Nähe. So auch dem ersten Meisterwerk Donatellos, dem monumentalen Marmorstandbild des Propheten David (1408/09), das erstmals außerhalb von Florenz zu sehen ist.

Am Beispiel der Flachreliefs, die Donatello unter anderem für zahlreiche Madonnen-Bildnisse verwendete, lässt sich erkennen, wie er die mathematische Perspektive durch Fluchtlinien, die in einem Punkt zusammenlaufen, in die Bildhauerei einführte. Damit hatte sein Freund, der spätere Architekt Filippo Brunelleschi (1377-1446), die Kunst der Renaissance revolutioniert.

Erfinder des Unvollendeten

Ein eigenes Kapitel ist Donatellos ureigenem Motiv der Spiritelli, kleiner geflügelter Geister, gewidmet. Diese integrierte er in christliche Szenen, schuf aber auch eigenständige Figurengruppen.

Für die Bedeutung des fast zehnjährigen Aufenthaltes Donatellos im norditalienischen Padua von 1444 bis 1453 stehen zwei Bronzereliefs vom Hochaltar der dortigen Basilika, aber auch ein monumentaler Pferdekopf als Fragment eines Reiterdenkmals, das auf die Antike verweist.

Die Emotionalität dieser Arbeiten verstärkt sich in Donatellos Alterswerk. Eindrucksvoll zeigt dies eine figurenreichen Kreuzigungsszene aus seinem letzten Lebensjahrzehnt. Darin spielt Donatello mit der Idee des Unvollendeten, indem er bewusst die Figur des zweiten Diebes, der Jesus leugnet, als Fragment belässt. „Damit wird er - Jahrzehnte vor Michelangelo - zum eigentlichen Erfinder des Non-Finito, des Unvollendeten“, sagt Kurator Rowley. Bis zum Lebensende habe Donatello immer wieder Neues gewagt.

Von Sigrid Hoff (epd)