Sozialverband: Ein Drittel pflegender Angehöriger überfordert

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Sozialverband: Ein Drittel pflegender Angehöriger überfordert
Osnabrück, Berlin (epd).

Jeder dritte pflegende Angehörige fühlt sich laut einer Studie des Sozialverbands VdK mit seiner Aufgabe überfordert. „Die häusliche Pflege ist am Limit“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele bei der Veröffentlichung einer vom VdK in Auftrag gegebenen Studie der Hochschule Osnabrück am Montag in Berlin. Häusliche Pflege finde in der Regel hinter verschlossenen Türen statt. Die Online-Befragung von rund 56.000 Pflegebedürftigen und Pflegenden bringe nun erstmals „Licht ins Dunkle“, sagte Bentele.

Der VdK-Landesvorsitzende für Niedersachsen und Bremen, Friedrich Stubbe, führte an: „Die pflegenden Angehörigen brauchen mehr Hilfe im Haushalt, bei der Pflege und Betreuung, ihnen müssen die finanziellen Sorgen genommen werden und sie verdienen eine bessere Anerkennung bei der Rente.“

Viele der pflegenden Angehörigen fühlten sich extrem belastet und könnten die Pflege ihrer Angehörigen nur unter Schwierigkeiten oder gar nicht mehr bewältigen, geht aus der VdK-Studie hervor. „Das zeigt, wie fragil oftmals die häusliche Pflege ist“, sagte Andreas Büscher von der Hochschule Osnabrück, der die Studie umgesetzt hat.

Etwa die Hälfte der Befragten pflegten ihre Eltern, andere kümmerten sich um ihre Partner oder Kinder. Dabei sei die Beziehung zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen sehr emotional und von Liebe geprägt. „Deshalb sprechen wir nicht mehr von häuslicher Pflege, sondern von Nächstenpflege“, sagte Bentele. Für viele der Pflegenden sei es selbstverständlich, sich um die Bedürftigen zu kümmern.

Viele pflegende Angehörige nähmen die ihnen zustehenden Unterstützungsleistungen nicht in Anspruch, erklärte der VdK weiter. Berechnungen zeigten, dass je nach Art der Pflegeleistungen zwischen 62 und 93 Prozent nicht abgerufen werden. Finanziell verfielen allein bei drei wichtigen Hilfsangeboten fast zwölf Milliarden Euro pro Jahr.

Bentele forderte ein unabhängiges Beratungssystem: "Wir haben heute ein extrem starres System, in dem eigentlich eher die Pflegeversicherung vorschreibt, wer was braucht und wem was hilft. Oft fehle Pflegenden im Alltag die Zeit, sich umfassend informieren zu können. Deshalb sollten Leistungen niederschwellig und einfach zu erreichen sein, sagte Bentele.

Das von den Pflegeversicherungen gezahlte Pflegegeld werde dagegen häufig in Anspruch genommen. Pflegende, die mit dem Pflegebedürftigen in einem Haus wohnen, beantragten die Hilfeleistung öfter als Angehörige, die nicht im gleichen Haushalt wohnen. Das zusätzliche Geld werde von ihnen vor allem für laufende Ausgaben aufgewendet.

90 Prozent der Menschen wollen zu Hause gepflegt werden, ergänzte Bentele. Unter den befragten Pflegebedürftigen gaben nur 2,3 Prozent an, sich vorstellen zu können, in einem Pflegeheim zu leben. „Nächstenpflege ist das Thema und wird es auch zukünftig sein“, betonte die VdK-Präsidentin. Unter anderem müssten Pflegedienste deshalb ihre Angebote ausweiten. Außerdem müsse das Pflegebudget vereinheitlicht werden. „Wir sollten uns als Gesellschaft daran messen lassen, dass die Pflege zu Hause möglich bleibt.“