Neuer Direktor: Vikarausbildung wird flexibler

Herborn (epd)

Der neue Direktor des Theologischen Seminars Herborn, Stefan Claaß, hat eine Überarbeitung der Vikarsausbildung in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) angekündigt. Die Ausbildung der beiden Kurse im Jahr mit je 14 bis 20 angehenden Pfarrerinnen und Pfarrern werde flexibler gestaltet, sagte Claaß dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Professor für Homiletik und Liturgik hat Anfang Mai die Leitung des Seminars im Schloss Herborn von Peter Scherle übernommen, der Anfang September in den Ruhestand trat. Scherle wird am 25. September offiziell verabschiedet.

Die Umbrüche in der Arbeitswelt schlagen sich nach den Worten von Claaß auch in der Vikarsausbildung nieder. Künftig sollen Teile der Ausbildung stärker regional in Teams erfolgen oder im Homeoffice. Kürzere Seminarphasen und Arbeitsmöglichkeiten zu Hause sollen die Familienfreundlichkeit steigern. Außerdem sollen die Ausbildungsfächer stärker interdisziplinär miteinander verwoben werden. Die Lehrstelle von Scherle in den Fächern Kirchentheorie und Kybernetik hat Anfang September die frühere Referentin für Theologische Ausbildung in der Kirchenverwaltung der EKHN, Rebecca Müller, übernommen.

Als ein wichtiges Ziel der Ausbildung in Zukunft nannte Claaß die stärkere Vorbereitung der Theologinnen und Theologen auf eine Teamarbeit im Pfarramt. Der Nachwuchs an Vikarinnen und Vikaren sei in den vergangenen Jahren relativ konstant gewesen. Anders als im vergangenen Jahrhundert, als fast ausschließlich junge Theologinnen und Theologen von der Universität in die Ausbildung kamen, halte der Trend zu bereits berufserfahrenen Vikarinnen und Vikaren an. "Der Zugang zum Pfarramt über alternative Wege wird immer bedeutsamer", sagte der Direktor. Immer mehr Hochschulen böten Studiengänge in Theologie für Berufstätige oder als Zweitstudium an. Neben den schon etablierten Angeboten der Universitäten Marburg und Heidelberg gebe es jüngere etwa in Wuppertal, Greifswald und die Kooperation zwischen Mainz und Frankfurt am Main.

Stefan Claaß ist seit Anfang 2012 Professor für Gottesdienst am Theologischen Seminar, damals als Nachfolger für Hans Erich Thomé. 1960 in Speyer geboren, ging Claaß in Kronberg/Taunus zur Schule und studierte Evangelische Theologie in Erlangen, Hamburg und Heidelberg. Nach dem Vikariat in Worms und einem Spezialvikariat in Dallas (USA) wurde er Pfarrvikar in Mainz-Finthen und wechselte 1995 auf eine Pfarrstelle an der Mainzer Auferstehungsgemeinde. In Dresden absolvierte er eine liturgisch-gestische Zusatzausbildung. Er hielt Hörfunkandachten im Südwestrundfunk und war einer der Sprecher des "Wortes zum Sonntag" der ARD.

Rebecca Müller, 1977 geboren, studierte Evangelische Theologie in Marburg, Berlin und Glasgow. Ihr Lehrvikariat absolvierte sie im Vorderen Odenwald. Von 2007 bis 2013 war sie Gemeindepfarrerin im Hochtaunus und in der Wetterau, 2013 promovierte sie an der Universität Marburg im Fach Kirchliche Zeitgeschichte und historische Genderforschung. 2013 wurde sie Referentin für Theologische Ausbildung in der Kirchenverwaltung in Darmstadt. Sie ist ehrenamtlich Mitglied im Großen Konvent der Evangelischen Akademie Frankfurt und Beisitzerin im Vorstand des Evangelischen Bundes Hessen.

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