"Letzte Dinge" jetzt im Netz

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Wanderausstellung über das Sterben, Vererben und Weitergeben coronabedingt neu gestaltet
Lauf a.d.Pegnitz (epd)

Aufrollbare Banner, Single-Schallplatten, alte Fotos oder die Attrappe eines leckeren Stücks Kuchen: Die Besucher der Ausstellung "Was bleibt" sollen über die grundsätzlichen Fragen des Lebens und das Regeln der "Letzten Dinge" nachdenken. Die von der evangelischen Landeskirche konzipierte Schau ist seit 2014 in Bayern unterwegs. Die Stadt Lauf wäre die 17. Station der Wanderausstellung gewesen. Kirchengemeinden gestalten in der Regel dazu ein eigenes Begleitprogramm mit Vorträgen, Diskussionsforen oder Workshops.

Größere Versammlungen sind derzeit aber wegen der Corona-Pandemie nicht denkbar. Pfarrer Jan-Peter Hanstein und sein Team haben daher die Ausstellung kurzerhand internettauglich gemacht. In extra aufgenommenen YouTube-Videos stellen Laufer Bürger die einzelnen Stelen der eigentlichen Ausstellung vor und erzählen ihre ganz persönliche Geschichte dazu. Dabei geht es unter anderem ums Vererben, um Sterbebegleitung, Trauerarbeit, Bestattung oder Demenz.

Die ehemalige Grundschulrektorin Uschi Höcht beispielsweise stellt verschiedene Angebote in der Region für Menschen vor, die durch Unfall oder Erkrankung in eine Ausnahmesituation gekommen sind. Kirchenvorständin Annemarie Wiehler erzählt von ihrem Engagement in sozialen Einrichtungen. Und die Ruhestands-Krankenschwester Gertrud Behrmann animiert dazu, sich mit schönen Erinnerungen zu befassen, auch wenn es einem schlechtgeht. Dabei berichtet sie von ihrem ersten Motorrad in den 1970ern.

Pfarrerin Lydia Kossatz, Referentin für Erwachsenenbildung im Dekanat Hersbruck, hat mit einem Kamerateam sämtliche Präsentatoren besucht und interviewt. "Es ist keine reine Ausstellung mehr, vielmehr soll ein Kommunikationsprozess in Gang kommen", erklärt sie. Daher koordiniert sie themenbezogene Gesprächsgruppen und Webinare auf einer Video-Plattform. Dort sind dann auch die Referenten zu finden, die eigentlich in Fleisch und Blut den interessierten Gästen gegenüber gestanden wären.

Zu den Referenten zählen der Notar Ulrich Feierlein, der über "gutes Erben und Vererben" informiert, Andrea Rupprecht vom Palliative-Care-Team Nürnberger Land, die Tipps zum würdevollen Begleiten in der letzten Lebensphase gibt, oder der Rostocker Theologie-Professor Thomas Klie, der alternative Bestattungsformen vorstellt. Über die Webseite der Gemeinde kann man sich zu den kostenlosen Veranstaltungen, nach denen es auch eine Fragerunde geben wird, anmelden.

Lydia Kossatz verspricht zudem, dass es eine Telefon-Hotline für die Gäste geben werde, die Probleme mit der Technik haben. "Idealerweise nehmen die Jüngeren und die Älteren einer Familie gleichermaßen teil", ergänzt Hanstein. "Was bleibt"-Kurator Günter Gastner vom Kompetenzzentrum Fundraising bei der Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenstelle in Ansbach ist jedenfalls begeistert über die Ausstellung in neuer Form. "Das Haptische ist weg, die Themen sind aber zeitlos wichtig." (00/0551/19.02.2021)

Von Timo Lechner (epd)