"Engagiertes Land" - gemeinsam für gleichwertige Lebensverhältnisse

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Jan Holze

„Faire Chancen auf Teilhabe an der Gesellschaft bekommen - unabhängig von ihrem Wohnort.“ Dieses Ziel verfolgt die Bundesregierung mit der Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse. Dazu gehört nach dem Abschlussbericht der Kommission für „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ auch der Zugang zu Engagement und Ehrenamt - neben Arbeitsplätzen, Infrastruktur und (digitaler) Konnektivität.

Eine konkrete Maßnahme, um dieses Ziel zu erreichen, war die Errichtung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE). Die Bundesstiftung mit Sitz in Neustrelitz fördert und stärkt seit Sommer 2020 bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt insbesondere in strukturschwachen und ländlichen Räumen.

Besondere Herausforderungen des ländlichen Raums

Engagement und Ehrenamt haben gerade in strukturschwachen und ländlichen Regionen eine besondere und vor allem auch lange Tradition, beispielsweise bei der Freiwilligen Feuerwehr, in Vereinen oder im Rahmen der Freien Wohlfahrtspflege. Die Engagierten tragen durch ihren Einsatz aktiv zur Sicherung der Daseinsvorsorge, zum Erhalt des Miteinanders und zur Lebensqualität bei. Gleichzeitig stehen sie oft vor besonderen Herausforderungen. Mobilität und Konnektivität sowie die Verfügbarkeit von Fördermöglichkeiten und zuverlässigen Ansprechpersonen vor Ort sind in diesem Kontext nur einige Stichworte. Zudem führen die Abwanderung junger Menschen und die Folgen des demografischen Wandels in vielen Fällen zu Nachwuchsmangel in ehrenamtlich getragenen Organisationen und erschweren damit den Aufbau und Erhalt von Engagementstrukturen.

Hier strukturelle Veränderungen vor Ort zu erreichen, ist noch immer eine große Herausforderung - oftmals zu groß und zu komplex für eine einzelne Organisation. Gleichzeitig hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass auch in ländlichen Gebieten vieles möglich wird, sobald Vereine und Initiativen mit Politik, Verwaltung und Wirtschaft in Netzwerken zusammenarbeiten, die gemeinsame Ideen fördern und Kräfte zu deren Umsetzung bündeln.

DSEE-Förderprogramm „Engagiertes Land“

Das Programm „Engagiertes Land“ unserer Stiftung setzt an dieser Stelle an. Es fördert sektorübergreifende Netzwerke für Engagement, Ehrenamt und Beteiligung in strukturschwachen Dörfern, Kleinstädten oder Gemeinden mit bis zu 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Dazu unterstützt „Engagiertes Land“ die Entwicklung beziehungsweise den Aufbau der Netzwerke vor Ort durch passgenaue Prozessbegleitung, neutrale Beratung und Moderation.

In Dorf-Werkstätten des Thünen-Instituts für Regionalentwicklung werden Informationen über die beteiligten Orte gesammelt und gezielt lokale Ressourcen aufgespürt. Die Ergebnisse helfen später dabei, Projekte so fundiert vorzubereiten, sodass sie gezielt umgesetzt werden können und auch zum Erfolg führen.

Darüber hinaus bringt „Engagiertes Land“ regelmäßig die teilnehmenden Netzwerke aus ganz Deutschland zusammen, um gemeinsames Lernen und auch den direkten Ideenaustausch zu ermöglichen. Außerdem profitieren alle Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer vom Austausch mit der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt und ihren Partnerinnen und Partnern. Eine Qualifizierungsreihe zu den Themen Netzwerkarbeit und Kooperation rundet das Angebot ab.

Teilnehmer erhalten eigenes Budget

Zudem erhalten die am Programm „Engagiertes Land“ beteiligten Initiativen zur Weiterentwicklung ihres Netzwerkes und für gemeinsame Maßnahmen zur Förderung von Engagement und Ehrenamt vor Ort ein jährliches Umsetzungsbudget von bis zu 20.000 Euro.

Die Pilotphase des mehrjährigen Programms startet im Herbst 2021 mit 20 Engagement-Netzwerken, die aktiv in die Entwicklung mit einbezogen werden. Dabei arbeitet die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt gemeinsam mit dem Thünen-Institut für Regionalentwicklung sowie dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) zusammen und gestaltet das Programm und im engen Schulterschluss mit dem „Schwesterprogramm“ Engagierte Stadt.

Jan Holze ist Vorstand der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt.