epd Fake News, also bewusste Falschinformationen, kamen nicht erst mit dem Internet in die Welt. Mit der Erfindung des Buchdrucks machte Johannes Gutenberg Mitte des 15. Jahrhunderts die massenhafte Verbreitung von Druckerzeugnissen und so auch die massenhafte Verbreitung von gedruckten Unwahrheiten möglich. In der Ausstellung „Breaking News - Making News - Faking News. Von Gutenberg zu Trump“ zeigt das Leipziger Museum für Druckkunst noch bis Ende September einen Streifzug durch 600 Jahre Mediengeschichte.

Knapp 200 Jahre, nachdem Gutenberg den Buchdruck erfunden hatte, entstand in Deutschland ein flächendeckendes Postnetz. Auf dem Postweg erreichten gedruckte Berichte, ob wahr oder erfunden, deutlich mehr Menschen. Dies nutzte unter anderem Friedrich der Große, indem er durch Falschmeldungen massiven Einfluss auf die Berichterstattung und somit auf die öffentliche Meinung zur Zeit der Schlesischen Kriege nahm.

Auch in den darauffolgenden Jahrhunderten finden sich immer wieder Beispiele für sogenannte Zeitungsenten. So veröffentlichte die Zeitung „New York Sun“ 1835 eine Serie über angebliches Leben auf dem Mond.

Die Macht der Medien und der Einfluss von Desinformationen beschäftigte im frühen 20. Jahrhundert auch Satiriker wie Karl Kraus. In seiner Zeitschrift „Die Fackel“ setzte sich Kraus kritisch mit dem Journalismus seiner Zeit auseinander. Besonders die Boulevardmedien handelten ihm zufolge verantwortungslos und sensationshungrig. Kraus prägte unter anderem den Begriff der „Journaille“, der so viel bedeutet wie Presse-Gesindel oder Presse-Pack.

In den 1950er erfand der freie Mitarbeiter der „Bild“-Zeitung Claus W. Gerhardt Geschichten für die Zeitung, die mit den Worten „Nichts ist erfunden an dieser Geschichte. Das Leben hat sie geschrieben. Leser haben sie uns erzählt“ eingeführt wurden. Die Geschichte der Serie wurden mit einem fingierten Foto illustriert. Die Leser jedoch glaubten Gerhardt. Er wiederum beantwortete die Leserbriefe, in denen sie Anteil an den beschriebenen Schicksalen nahmen, mit weiteren erfundenen Geschichten.

Der Filmemacher Michael Born zeigte in seinen vermeintlichen Dokumentationen, die unter anderem bei „Stern TV“ und „Spiegel TV“ liefen, Schauspieler als Drogenkröten-Lecker und Anhänger des Ku-Klux-Klans in der Eifel. Grund für die Fälschungen sei unter anderem auch der Druck seitens der Redaktionen gewesen, sagte Born. Auch Claas Relotius sprach von einem solchen Druck, nachdem sein Kollege Juan Moreno dazu beigetragen hatte aufzudecken, dass einige Protagonistinnen und Protagonisten der Reportagen von Relotius für den „Spiegel“ frei erfunden waren.

Wie die vom Zeitungsmuseum Wadgassen konzipierte Ausstellung im Leipziger Museum für Druckkunst zeigt, werden Fake News also nicht erst seit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika und auch nicht nur über soziale Netzwerke wie Twitter verbreitet. Falsche, manipulative oder problematische Berichterstattung hat Tradition. Je einfacher Erfundenes verbreitet werden kann, desto mehr Menschen werden von falschen Darstellungen der Wirklichkeit erreicht. Menschen belügen, manipulieren und täuschen einander - durch die Erfindung des Internets ist dies jetzt nahezu in Echtzeit möglich. Die Masse gefälschter Informationen ist mittlerweile unkontrollierbar.

Doch welche Motive haben Fälscher und Lügner? Was verbindet die Verfasserinnen und Verfasser von Schmähschriften und falschen Tweets? Wer sich über die Geschichte der Geschichtenerfinder der vergangenen 600 Jahre informieren will, ist richtig im Museum für Druckkunst. Antworten auf die Fragen, warum Menschen lügen, warum sie manipulieren und sich gegenseitig täuschen, gibt es hier jedoch nicht.

Aus epd medien 31/22 vom 5. August 2022

Inga Jahn