Erhellende Einblicke: Der Funk-Kanal "How to Deutschland”

epd „Danke, dass ihr auch Info-Posts einen Like gebt.” So steht es im zweiten Slide etwa jedes zweiten Posts im Instagram-Kanal des jungen Content-Netzwerks Funk von ARD und ZDF. Im Hintergrund ist das sogenannte “Info-Post-Tier” zu sehen, über das jeden Monat aufs Neue unter den 1,2 Millionen Followern abgestimmt wird. Diese Tiere schmücken all jene Posts, die nicht mit Memes auf das Zeitgeschehen reagieren oder Werbung für andere Funk-Kanäle machen. Sie bereiten Fakten über die aktuelle Weltlage genauso übersichtlich auf wie gut gemeinte Ratschläge und Gut-zu-wissen-Informationshappen - mit Emojis und kompakten Texten. "Diese Sorten von Zwiebeln gibt es” steht am Ende gleichberechtigt neben einer Maßnahmenübersicht der Bundesregierung gegen die hohen Energiepreise.

Weil überraschendes und leicht zu überblickendes Wissen im Internet immer gut läuft, überspringt Funk damit wahrscheinlich öfter die Wahrnehmungsschwelle von Menschen außerhalb ihrer Kernzielgruppe als mit vielen anderen Inhalten. Das legt zumindest meine Privatempirie nahe. Andere Funk-Kanäle folgen dem gleichen Konzept, etwa „Glanz und Natur”, der sich um einen unverkrampften Blick auf Körper und Sexualität bemüht. Auf seinen Insta-Kacheln finden sich Inhalte, die man sonst von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erwarten würde, als sympathische “News you can use” verpackt. Informativ und nützlich.

Wie sie nützlich sein und einen Mehrwert schaffen können, ist auch grundsätzlich die beste Frage, die sich Nutzerinnen und Nutzer von sozialen Netzwerken in Krisensituationen stellen können (und nicht die deutlich populärere „Wie kann ich meine unqualifizierte Meinung allen bereits existierenden Meinungen noch hinzufügen?”). Insofern ist es so folgerichtig wie gut, dass Funk am 16. März für nach Deutschland geflüchtete junge Menschen aus der Ukraine einen Kanal aus Info-Posts gestartet hat. “How to Deutschland” bietet wichtige Informationen zur Orientierung in Deutschland in drei Sprachen: Ukrainisch, Englisch und Deutsch.

Aus deutscher Sicht ist interessant, worüber hier informiert wird: „So findest du eine private Unterkunft” oder “Wo bekomme ich eine Gratis-Sim-Karte?”, „Warum kann ich kein Asyl beantragen?” und “Hilfsangebote für Schwangere”. Hier geht es um grundlegende menschliche Bedürfnisse wie Wohnen, Kommunikation, Sicherheit und Gesundheit. Einleuchtend, dass diese Informationen essenziell sind.

Dazwischen aber finden sich auch Kacheln, die einen erhellenden Blick auf Deutschland durch fremde Augen zeigen. „Deutsches Leitungswasser ist trinkbar” steht dort etwa, und dass dies im Umkehrschluss nicht überall der Fall ist, ist ein gutes Item für den nächsten Privilegiencheck. Andererseits: “Sonntags haben die Geschäfte zu” - mit Verweis auf das Ladenschlussgesetz von 1900. Eine deutsche Eigenheit, die vermutlich nicht nur Ukrainerinnen und Ukrainer inzwischen kurios finden. Genau wie das deutsche Pfandsystem, dem ebenfalls ein Post gewidmet ist.

Es verwundert also nicht, dass sich unter den 13.000 Followern von "How to Deutschland” auf den ersten Blick etwa gleich viele Userkonten mit eher ukrainisch anmutenden wie mit deutsch klingenden Namen finden. Nützliche Informationen sind im Internet einfach nie verkehrt und werden gern geteilt. Das gilt für diejenigen, die sie ganz konkret brauchen, genauso wie für alle anderen, die sie einfach mitnehmen. Könnte man sich mal merken.

Aus epd medien 13/22 vom 1. April 2022

Alexander Matzkeit