Leises Servus

VOR-SICHT: "Schwarzach 23 und das mörderische Ich", Fernsehfilm, Regie: Matthias Tiefenbacher, Buch: Christian Jeltsch, Kamera: Hanno Lentz, Produktion: TV60 (ZDF, 31.8.20, 20.15-21.45 Uhr)

Es ist selten, dass ein Film, dessen Handlung den Zuschauer verwirrt, dem Betrachter nicht einfach nur schrecklich auf den Wecker fällt. Die - leider! - letzte Episode der "Schwarzach 23"-Reihe unterhält trotz ihrer Undurchsichtigkeit. Die Verwirrung ist dabei überwiegend gewollt. Um zu prüfen, ob sich den ganzen Film über tatsächlich immer alles gereimt hatte, müsste man ihn mit dem Wissen vom Ende noch einmal von vorn gucken. So gut war er aber dann doch wieder nicht.

Das einmalige Anschauen kann für einen durchaus kurzweiligen Krimi-Fernsehabend sorgen. Ohne dass unmittelbare Unterforderungsgefahr besteht, wie leider bei vielen der glattpolierten Nord-, Ost-, Süd-, West-, Berg-, Tal-, Insel- und Sonstwas-Krimis, die das ZDF-Programm seit Jahren fluten. In "Schwarzach 23" war dagegen nicht nur Platz für Regionales, sondern auch für Schräges, Schwarzes und nicht ganz alltäglichen Humor. Dass die 2015 gestartete Reihe nun abgesetzt wird, soll laut ZDF mit den Einschaltquoten nichts zu tun haben, obwohl die nach der ersten Folge etwas absanken und unter fünf Millionen blieben.

Die Reihe erzählt aus dem besonderen Biotop einer Münchener Polizistenfamilie heraus und vermengt dabei konsequent Privates mit Beruflichem. Allerdings nicht so wie in vielen TV-Krimis, in denen der Autor dem Wo-waren-Sie-zur-Tatzeit-Kommissar zwecks Human-Touch dann mal eben auch noch was Privates an den Hals schreibt. Hier vermischen sich die Sphären so konsequent und selbstverständlich, wie sich das Leben wohl für jedermann aus individueller Sicht darstellt. Schon Vater Franz Germinger (Friedrich von Thun) war Kriminaler, Tochter Anna (Marlene Morreis) und Sohn Franz Germinger junior sind im aktiven Dienst.

Hauptfigur Franz junior wird von Maximilian Brückner gegeben, und zwar so, dass man in diesem Film auch dranbleibt, wenn man vorübergehend gar nichts mehr versteht. Er ist einsam, hat eine pubertierende Tochter und hadert mit seiner Mutter. Gut geht's ihm nicht, dem Franz. Am Ende wird er einen sehr überraschenden Ausweg aus seiner Lage suchen.

Erzählt wird mit schon fast bewundernswerter Beiläufigkeit. Die wohltuend unprätentiöse Kamera von Hanno Lentz trägt viel dazu bei, dass man sich als Zuschauer mitunter fühlt, als stünde man selbst irgendwo am Rand des Sets und beobachte, was da im Zimmer, im Bus oder auf dem Parkdeck so passiert.

Vom Plot kann in diesem Fall vorab fast nichts verraten werden, ohne die Pointen zu verderben: Kriminelle Russen und Ukrainer spielen eine Rolle, kriminelle Deutsche, Drogen, verkrachte Existenzen, geistig Verstörte, das Thema Homosexualität in Varianten und überhaupt: die Liebe. Die Liebe der Erwachsenen und die Liebe in ihrer vielleicht kompliziertesten Form, die Liebe zwischen Eltern und Kindern. Servus, Familie Germinger. Schade, dass es mit Euch im ZDF nicht weitergeht.

Aus epd medien 35/20 vom 28. August 2020

Andrea Kaiser