SRF bleibt trotz Verlusten TV-Marktführer in der Deutschschweiz

Informationsangebote der SRG-Kanäle legten 2020 deutlich zu
Bern/Zürich (epd)

Im Fernsehjahr 2020 waren die Sender der öffentlich-rechtlichen Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR) unter Intendant Gilles Marchand wieder Marktführer in den drei Landesteilen. Die Hauptkanäle der SRG konnten aufgrund des hohen Interesses an ihren Informationsangeboten deutlich zulegen, Verluste zeigten sich - mangels großer Sportereignisse infolge der Corona-Pandemie - bei den Sportkanälen, vor allem bei SRF zwei und RTS Deux.

Fernseh-Marktführer in der Deutschschweiz war im Jahr 2020 erneut das öffentlich-rechtliche Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) mit seinen drei Kanälen. Das Schweizer Fernsehen SF verlor laut Mitteilung vom 12. Januar insgesamt 0,8 Prozentpunkte und erreichte damit einen Marktanteil von 30,7 Prozent. SRF-Direktorin Nathalie Wappler sprach trotzdem von einer "positive Bilanz" für das Jahr 2020. Beim SRF entfielen 22,2 Prozent (plus 2,7) auf den Hauptkanal SRF 1. Der Sportkanal SRF zwei verlor 3,4 Prozentpunkte und kam auf einen Marktanteil von 6,4 Prozent. Der Informationskanal SRF info verlor 0,1 Prozentpunkte und erreichte 2,1 Prozent Marktanteil. Am Hauptabend gewann SRF insgesamt 0,5 Prozentpunkte und erreichte einen Marktanteil von 39,7 Prozent.

Die meistgesehene Sendung in der Deutschschweiz war die "Tagesschau"-Hauptausgabe am 19. März - in den ersten Tagen nach dem schweizerischen Shutdown - mit 1,49 Millionen Zuschauern. Die "Tagesschau" übertraf im vergangenen Jahr 62 Mal die Millionenmarke, davon vom 12. März bis 9. April an 29 Tagen in Folge. Die Hauptausgabe sahen auf SRF 1 insgesamt durchschnittlich 811.000 Zuschauer bei einem Marktanteil von 57,3 Prozent. Das war der beste Wert seit 2013. Die in der Anfangsphase der Pandemie produzierten sieben Sondersendungen zur Corona-Lage auf SRF 1 erreichten durchschnittlich 769.000 Zuschauer.

Meistgesehenes Sportprogramm war die Lauberhorn-Abfahrt der Männer in Wengen am 18. Januar mit 929.000 Zuschauern auf SRF zwei. Mit 907.000 Zuschauern war die dritte Folge der heimatkundlich orientierten Sendung "SRF bi de Lüt - Hüttengeschichten" am 4. Dezember die zuschauerstärkste Sendung von SRF 1 außerhalb des Bereichs Information. Die Weihnachtsausgabe der Fernsehshow "Happy Day" am 19. Dezember sahen 806.000 Zuschauer auf SRF 1. "Züri Brännt", der neue "Tatort" aus Zürich, erreichte 755.000 Zuschauer auf SRF eins am 18. Oktober.

Deutsche Sender verlieren

Stärkster privater Fernsehanbieter in der Schweiz war die von Peter Wanner kontrollierte CH Media-Gruppe (AZ Medien gemeinsam mit der NZZ-Mediengruppe), die im Oktober 2019 mit der 3-Plus-Gruppe von Dominik Kaiser fusionierte (epd 47/19), mit jetzt zwölf Sendern. Sie erreichte 2020 als neuer kommerzieller TV-Marktführer in der Schweiz einen Marktanteil von 7,3 Prozent (plus 0,5). Davon entfielen auf 3 Plus 2,0 Prozent (minus 0,2), auf Telezüri 1,0 Prozent (plus 0,1) und auf TV 24 unverändert 0,7 Prozent Marktanteil.

Die 18 führenden deutschen Fernsehsender gehörten zu den Verlierern des Jahres in der Deutschschweiz und kamen dort zusammen auf einen Marktanteil von 35,0 Prozent, 0,7 Prozentpunkte weniger als 2019. Dabei standen Verlusten der privaten Anbieter Gewinne der öffentlich-rechtlichen Sender gegenüber. An der Spitze lag dabei das ZDF mit 6,0 Prozent (plus 0,3). Dahinter folgten Das Erste mit 5,5 Prozent (plus 0,2), RTL mit 5,2 Prozent (plus 0,1), Sat.1 mit 3,4 Prozent Marktanteil (minus 0,2), Vox mit unverändert 3,1 Prozent Marktanteil und ProSieben mit 2,2 Prozent Marktanteil (minus 0,4). 3sat erreichte einen Marktanteil von unverändert 1,0 Prozent. Auf einen Marktanteil von unverändert 2,6 Prozent kam der ORF mit seinen beiden TV-Hauptprogrammen.

In der französischsprachigen Romandie blieb 2020 das öffentlich-rechtliche Fernsehen Radio Television Suisse Romande (RTS) mit seinen beiden Fernsehkanälen Marktführer mit einem Anteil von 27,3 Prozent, 1,0 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Dabei entfielen auf RTS Un 22,1 Prozent (plus 1,7) und auf RTS Deux 5,2 Prozent, ein Verlust von 0,7 Prozentpunkten gegenüber 2019. Größte Konkurrenten in der Romandie waren 2019 die französischen Sender TF1 mit 10,1 (minus 0,4), M6 mit 7,1 Prozent (minus 0,7), France 2 mit 6,6 Prozent (minus 0,4) und France 3 mit 4,6 Prozent Marktanteil (plus 0,1).

In der italienischsprachigen Schweiz blieb das öffentlich-rechtliche Fernsehen Radiotelevisione svizzera di lingua italiana (RTSI) mit seinen beiden Fernsehkanälen Marktführer mit einem Anteil von 26,2 Prozent, ein Zuwachs um 2,3 Prozentpunkte. Davon entfielen auf RSI La Uno 20,0 Prozent (plus 2,3) und auf RSI La Due unverändert 6,2 Prozent. Größte Konkurrenten im Tessin waren die italienischen Sender Canale 5 mit 8,3 Prozent (minus 0,2), Rai Uno mit 5,4 Prozent (minus 0,5), Italia 1 mit 3,9 (minus 0,8) Prozent und Rai Due mit 4,0 Prozent (minus 0,1) Marktanteil.

Aus epd medien 7/21 vom 19. Februar 2021

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