Roland Weißmann wird neuer ORF-Generaldirektor

Bisheriger stellvertretender Finanzdirektor folgt auf Alexander Wrabetz
Wien (epd).

Roland Weißmann wird neuer Generaldirektor des Österreichischen Rundfunks (ORF). Der Stiftungsrat des Senders wählte den bisherigen stellvertretenden Finanzdirektor am 10. August in Wien mit einer Mehrheit von 24 der 35 Stimmen, wie der ORF mitteilte. Der 53-Jährige folgt damit im Januar 2022 auf Alexander Wrabetz, der 15 Jahre an der Spitze des öffentlich-rechtlichen Senders in Österreich stand.

Neben Weißmann und Wrabetz standen ORF1-Channelmanagerin Lisa Totzauer, ORF-Technik-Vizedirektor Thomas Prantner und als einziger externer Kandidat Harald Thoma, Geschäftsführer der Pocketfilm Media Entertainment GmbH, zur Wahl. Wrabetz erhielt sechs Stimmen, Totzauer fünf, Prantner und Thoma keine.

Weißmann galt schon vor der Wahl als Favorit für den Posten, hatte seine Kandidatur aber erst am 22. Juli publik gemacht. Seit 2012 verwaltete er als Chefproducer das größte Programmbudget im ORF. 2020 wurde er zum Ko-Geschäftsführer der Tochtergesellschaft ORF Online sowie zum Projektleiter für den geplanten ORF-Player bestellt. Begonnen hat er seine ORF-Karriere 1995 im aktuellen Dienst des Landesstudios Niederösterreich. Weißmann galt als Kandidat der bürgerlichen Mehrheit im Stiftungsrat.

Die Mitglieder des Stiftungsrats wählten den neuen Generaldirektor in nicht geheimer Abstimmung. Sie sind abgesehen von wenigen Ausnahmen in sogenannten parteipolitischen Freundeskreisen organisiert und von Regierung, Parteien, Bundesländern, ORF-Publikumsrat und Betriebsrat in das Gremium berufen. Sie dürfen zwar keine aktiven Politikerinnen und Politiker sein und dürfen auch sonst nicht für eine Partei tätig sein, können aber in der Regel den Parteien zugeordnet werden.

Die Tageszeitung „Der Standard“ schrieb in einem Kommentar zur Wahl, die Medienpolitik der ÖVP unter Bundeskanzler Sebastian Kurz präge der Wunsch nach Kontrolle. Weißmann stehe als Favorit des bürgerlichen Lagers unter besonderer Beobachtung. Er müsse beweisen, dass es ihm ernst sei mit der Unabhängigkeit und Vielfalt der Meinungen im ORF, die er in seiner Bewerbung um den Posten betont habe.

Der 61 Jahre alte Wrabetz bleibt noch bis Jahresende Alleingeschäftsführer des ORF und hat bereits angekündigt, in dieser Zeit noch mehrere Schlüsselentscheidungen zu treffen. Dabei geht es vor allem um die Ernennung von Chefredaktion und Ressortleitungen, die 2022 die Führung im neuen ORF-Newsroom übernehmen - einem der wichtigsten Zukunftsprojekte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich.

Wirtschaftlich steht der ORF zum Ende der Amtszeit von Wrabetz gut da. Wenige Tage vor dessen Abschied gab der Sender bekannt, dass er mit dem Jahr 2020 das vierte Geschäftsjahr hintereinander mit einer positiven Bilanz abgeschlossen habe und auch für 2021 ein Plus erwarte. „Damit ist der ORF nicht nur programmlich erfolgreich, sondern hat auch wirtschaftlich alle Ziele trotz schwierigster Rahmenbedingungen und der Corona-Pandemie erreicht“, betonte Wrabetz. Für 2020 verzeichnete der ORF-Konzern einen Gewinn vor Steuern in Höhe von 37,5 Millionen Euro (epd 9/21).

Aus epd medien 32/21 vom 13.August 2021

koe