Europaskeptiker Farage moderiert beim neuen Sender GB News

TV-Nachrichtenkanal startete im Juni - Marktanteil niedriger als bei BBC und Sky
London (epd).

Der europaskeptische Politiker Nigel Farage präsentiert seit Mitte Juli eine Primetime-Show beim neuen britischen TV-Nachrichtensender „GB News“. Der 57-Jährige moderiert die 19-Uhr-Sendung „Nigel Farage“, die von Montag bis Donnerstag ausgestrahlt wird. Zuvor präsentierte er bereits die Sonntagmorgen-Show „Political Correction“ bei GB News. Farage hatte als langjähriger Europa-Abgeordneter sowie als Vorsitzender der rechtspopulistischen Ukip-Partei (2006-2016) und der Brexit-Partei (2019-2021) den Austritt Großbritanniens aus der EU maßgeblich mit vorangetrieben.

GB News war am 13. Juni in London auf Sendung gegangen. „Wir sind stolz, Briten zu sein. Das sieht man schon am Namen“, erklärte Senderchef Andrew Neil zum Start. „Wir werden für eine starke, ausgewogene Debatte kämpfen und für eine Auswahl von Blickwinkeln auf Themen, die jeden im Vereinigten Königreich betreffen, nicht nur die, die in London leben.“

Der 72-jährige konservative Journalist Neil stammt aus Schottland. Von 1983 bis 1994 war er Chefredakteur der Sonntagszeitung „The Sunday Times“, die zum Pressekonzern News Corporation von Rupert Murdoch gehört. Seit 2003 arbeitete er für die BBC als Moderator der politischen Sendungen „This Week“, „Daily Politics“, „Politics Live“ und „The Andrew Neil Show“. Im September 2020 verließ Neil die BBC, um sich dem Aufbau von GB News zu widmen. Er moderiert dort auch selbst eine Abendshow.

Pläne für einen neuen britischen Fernseh-Nachrichtensender gab es bereits seit September 2019. Damals wurde von den beiden Medienunternehmern Andrew Cole und Mark Schneider in London die Firma All Perspectives gegründet. Beide verfügen über enge Beziehungen zu Liberty Global, dem Unternehmen des 80-jährigen US-Medienmoguls John Malone. Liberty Global ist in Großbritannien zu 50 Prozent Besitzer des Medienunternehmens Virgin Media O2 und ist außerdem mit rund zehn Prozent an ITV beteiligt. All Perspectives erhielt im Januar 2020 von der Medienaufsichtsbehörde Ofcom die Sendelizenz für das spätere GB News.

Im Januar 2021 brachte GB News ein Startbudget von 60 Millionen Pfund auf. Daran beteiligten sich vor allem der US-Konzern Discovery, der von John Malone kontrolliert wird, der Investor Legatum von Christopher Chandler mit Sitz in Dubai und der britische Investor Paul Marshall. GB News hat Berichten zufolge 140 Mitarbeiter, davon 120 Journalisten. Geschäftsführer ist seit September 2020 der Australier Angelos Frangopoulos. Er war von 2000 bis 2018 Geschäftsführer von Sky News Australia und machte den Kanal zum führenden konservativen australischen TV-Nachrichtensender.

GB News erreichte in der ersten Woche im Juni nach seinem Start einen Marktanteil von 0,6 Prozent. Damit lag der Kanal deutlich hinter dem Marktführer BBC News (1,3 Prozent) und knapp hinter Sky News mit (0,7 Prozent). Im Jahr 2020 hatte BBC News einen Marktanteil von 1,7 Prozent erreicht, Sky News kam auf 1,1 Prozent.

Im Juli 2021 halbierte sich der Marktanteil von GB News auf 0,3 Prozent, wofür innere Querelen und Rücktritte verantwortlich gemacht werden. So zeigte sich einer der Moderatoren in einer Live-Sendung solidarisch mit den englischen Fußballern und vollzog deren Kniefall nach. Die Geste, die Protest gegen Rassismus ausdrücken soll, missfiel vielen konservativen Zuschauern. Nach Beschwerden entschuldigte sich GB News und setzte den Moderator ab.

Aus epd medien 31/21 vom 6. August 2021

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