Europäische Filme: Frauen führen selten Regie

Untersuchung: Ein Viertel der Drehbücher stammt von Frauen
Brüssel, Straßburg (epd)

Frauen sind als Filmemacherinnen in Europa nach wie vor unterrepräsentiert. Zwischen 2015 und 2018 hatten bei einer ausgewählten Stichprobe lediglich bei 22 Prozent der europäischen Produktionen Regisseurinnen das Sagen am Set, wie die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle am 29. Juli in Straßburg mitteilte. Bei fiktionalen Serien und TV-Filmen lag der Anteil mit 19 Prozent noch darunter. Bei Fiction-Filmen waren Frauen mit 17 Prozent noch weniger vertreten. Bei Dokumentationen führten immerhin 28 Prozent Frauen Regie, wie die zum Europarat gehörende Informationsstelle meldete.

Im Vergleich der 47 untersuchten europäischen Länder schnitten Österreich, die Niederlande, Norwegen und Schweden am besten ab: 30 Prozent der Produktionen aus diesen Ländern wurden von Regisseurinnen geführt. Deutschland kommt der Untersuchung nach mit Finnland, Kroatien und Lettland auf Platz Zwei: Hier entstanden 25 Prozent der untersuchten Filme unter der Regie von Frauen. Nur fünf Prozent Regisseurinnen konnten Mazedonien, Griechenland und Slowenien vorweisen.

Etwas weniger ausgeprägt war das Geschlechtergefälle bei Drehbuchautoren. 25 Prozent der Drehbücher für Kinofilme stammten aus der Feder von Frauen, in 36 Prozent der Filme waren sie am Prozess der Drehbucherstellung beteiligt. Bei Serien und Fernsehfilmen lag der Anteil der Autorinnen bei 34 Prozent, unter dem Aspekt der Beteiligung am Drehbuch immerhin bei 51 Prozent.

Besonders hoch war im Ländervergleich mit 65 Prozent der Anteil der Autorinnen für Serien und TV-Filme in der Slowakei, gefolgt von Estland mit 50 Prozent und Griechenland, Polen und Portugal mit jeweils 40 Prozent. Deutschland liegt bei den TV-Serien-Autorinnen mit 25 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt.

Bei den Kinofilm-Produktionen lag der Anteil der Filmautorinnen in Österreich am höchsten. In 35 Prozent der Produktionen verfassten Frauen das Skript, bei deutschen Kinofilm-Produktionen lag ihr Anteil bei 30 Prozent - gleichauf mit Schweden, Norwegen, den Niederlanden und Zypern. Schlusslicht bei den Feature-Film-Autorinnen bildete unter anderem Island.

Die Zahlen für Deutschland decken sich mit einer Studie, die die Initiative Pro Quote Regie im November 2018 vorgestellt hatte. Danach hatten 2017 Frauen bei einem Fünftel der fiktionalen Fernsehproduktionen in Deutschland Regie geführt (epd 47/18).

Die Daten stützen sich für die Kinofilme auf eine Stichprobe von Werken, die von 2015 bis 2018 maßgeblich in Europa und mit europäischem Geld produziert wurden und bis 2019 in die Kinos kamen. Die Daten zu audiovisuellen Fiktionsserien umfassen Fernsehfilme und Fiktionsserien aus den Ländern der Europäischen Union, die von 2015 bis 2018 EU-weit über abonnierte Video-Abrufdienste oder TV-Kanäle erstmalig angeboten und ausgestrahlt wurden und nicht mehr als 52 Folgen hatten.

Aus epd medien 32/20 vom 7. August 2020

ps/cd