WDR-Rundfunkrat lehnt Beschwerden zu "Umweltsau" ab

Sender erstellt neues Konzept für Umgang mit den sozialen Medien
Köln (epd)

Der WDR-Rundfunkrat hat in seiner Sitzung am 13. August die Programmbeschwerden zum umstrittenen "Umweltsau"-Video abgelehnt. Das Gremium sei damit den Empfehlungen seines Programmausschusses gefolgt, teilte der Rundfunkrat am 14. August mit. Insgesamt sei über neun Programmbeschwerden entschieden worden, die meisten davon zu dem kontroversen Musikvideo.

Der Hörfunksender WDR2 hatte das Video mit dem Lied, in dem eine Oma als "alte Umweltsau" bezeichnet wird, weil sie unter anderem einen SUV fährt und 1.000 Liter Super im Monat verbraucht, am 27. Dezember 2019 bei Facebook online gestellt. Nachdem eine Welle der Empörung in den sozialen Netzwerken ausgebrochen war, wurde es keine zehn Stunden später wieder gelöscht (epd 1-2, 3, 4/20). Am 28. Dezember hatte WDR2 abends um 18 Uhr eine Sondersendung zu dem Video gesendet, in der sich Intendant Tom Buhrow für das Lied entschuldigte.

Im Rundfunkrat war bereits Anfang des Jahres kontrovers über das Video diskutiert worden (epd 6/20). In einer Stellungnahme vom 13. August teilte das Gremium nun zu den fortgesetzten Beratungen mit: "Sowohl in der Bewertung des Videos und seiner Einbettung bei WDR2 wie auch in Bezug auf den Umgang mit dem Video im Nachgang (Löschung, Entschuldigung des Intendanten, Sondersendung auf WDR2, interne und externe Kommunikation) gingen die Positionen zum Teil weit auseinander." Der Rundfunkrat habe jedoch in mehreren Punkten Einigkeiten erzielen können.

So nehme man die Kritik an dem Musikvideo ernst. "Wir sind uns jedoch auch der Tatsache bewusst, dass - neben den kritischen Eingaben, die uns aus der Mitte der Gesellschaft erreicht haben - dieses Musikvideo und die Kritik daran von rechtspopulistischer Seite gezielt instrumentalisiert wurde, um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt zu diskreditieren, mit dem eigentlichen Ziel, den unabhängigen und pluralen öffentlich-rechtlichen Rundfunk abzuschaffen", erklärte der Rundfunkrat. "Davon lassen wir uns als Aufsichtsgremium, in dem die verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen vertreten sind, nicht beeindrucken." Auch stehe der Rundfunkrat "uneingeschränkt zur Kunst-, Kultur- und Rundfunkfreiheit sowie zur Freiheit der Satire".

Zu begrüßen sei, dass die WDR-Geschäftsleitung als Konsequenz aus dem Vorfall ein umfassendes Konzept für den Umgang mit den sogenannten sozialen Medien erarbeite, hieß es in der Stellungnahme. Der Rundfunkrat erwarte, dass dieses zügig fertiggestellt wird. Das Konzept solle dazu dienen, die interne und äußere Kommunikation des Senders besser aufzustellen und besser zu koordinieren. Im Social-Media-Bereich seien schnelle Reaktionen des Senders zwingend erforderlich und würden von den Nutzern auch erwartet. Der WDR müsse den Vorfall mit dem Video auch zum Anlass nehmen, seine Krisenkommunikation insgesamt zu überarbeiten.

Aus epd medien 35/20 vom 28. August 2020

jsb/rid